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16.07.2026 13:12

ROUNDUP 2: Deutlich mehr schwere E-Scooter-Unfälle - das sagen Experten

WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Zahl der schweren E-Scooter-Unfälle ist im vergangenen Jahr regelrecht nach oben geschnellt: Die Polizei registrierte etwa 38 Prozent mehr Unfälle mit verletzten oder getöteten Menschen als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt. Experten sprechen von alarmierenden Zahlen und fordern Konsequenzen.

Wie haben sich die Unfallzahlen im Einzelnen entwickelt?

Insgesamt waren es 2025 etwa 16.500 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. 38 Menschen wurden dabei getötet, 2024 waren es noch 27 gewesen. 2025 wurden laut Statistikamt zudem etwa 1.900 Menschen schwer und rund 16.200 Menschen leicht verletzt.

Der Trend zeigt deutlich nach oben, das Bundesamt registriert seit Jahren einen Anstieg der schweren E-Scooter-Unfälle. Hintergrund ist auch die zunehmende Verbreitung der Fahrzeuge seit ihrer Zulassung Mitte 2019.

Um wen handelt es sich bei den Unfallopfern?

82,4 Prozent der Verunglückten waren der Statistik zufolge selbst mit einem E-Scooter unterwegs, darunter 33 der 38 Todesopfer. 5,5 Prozent der Verunglückten, die sich auf einem E-Scooter befanden, seien Mitfahrerinnen und Mitfahrer gewesen, darunter auch eines der 33 Todesopfer. Fahren zu zweit oder gar zu dritt auf einem E-Scooter ist nicht erlaubt, ist aber häufig im Straßenbild zu beobachten.

Unter den fünf weiteren bei E-Scooter-Unfällen Getöteten waren drei Fußgänger, ein Fahrrad- und ein Autofahrer.

E-Scooter sind besonders bei jungen Menschen beliebt, was sich auch in den Unfallzahlen niederschlägt: 53,6 Prozent der im Jahr 2025 Verunglückten waren jünger als 25 Jahre.

Das Mindestalter beträgt laut Gesetzgeber 14 Jahre, dennoch werden die Fahrzeuge häufig von noch Jüngeren benutzt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es 2025 in der Altersklasse null bis dreizehn Jahre insgesamt 874 verunglückte Kinder - also Tote und Verletzte. Unter den 874 waren demnach drei Tote.

Was ist zu den Unfallursachen bekannt?

Die Polizei registriert nach Angaben des Bundesamts häufig gleich mehrfaches Fehlverhalten der E-Scooter-Fahrenden: in 21,6 Prozent der Fälle falsche Benutzung der Fahrbahn oder der Gehwege, in 10,9 Prozent der Fälle war Alkohol im Spiel, in 8,4 Prozent nicht angepasste Geschwindigkeit, in 7,5 Prozent lagen Fehler beim Abbiegen vor, Wenden, Rückwärtsfahren oder Ein- und Anfahren.

Viele Unfälle geschehen ohne Beteiligung eines weiteren Verkehrsteilnehmers, der Anteil beträgt 30,5 Prozent. 16 der 33 tödlich Verunglückten auf E-Scootern kamen bei solchen Alleinunfällen ums Leben - und damit fast die Hälfte. Knapp 35 Prozent der Verletzten gingen darauf zurück.

Bei Unfällen mit zwei Beteiligten trug den Angaben zufolge zu 50,8 Prozent die oder der E-Scooter-Fahrende die Hauptschuld. Bei Zusammenstößen mit einem Pkw waren die E-Scooter-Fahrenden in 38,1 Prozent der Fälle die Hauptverursacher, bei Unfällen mit Fahrradfahrenden in 74,3 Prozent und bei Unfällen mit einer Fußgängerin oder einem Fußgänger sogar in 88,7 Prozent.

Wie erklärt sich der starke Anstieg der Zahlen?

Vermutlich durch mehr Nutzung von E-Scootern, denn an den Gegebenheiten habe sich nichts geändert, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung. Für ihn stehen vor allem die Leihroller im Fokus, die in den größeren Städten angeboten werden.

Unter anderem, weil damit unerfahrene Gelegenheitsnutzer unterwegs seien. Brockmann setzt sich in dem Zusammenhang dafür ein, dass E-Scooter mit größeren Rädern ausgestattet werde. Derzeit sei das Risiko für Stürze selbst an abgesenkten Bordsteinkanten sehr hoch - was gelegentliche Nutzer häufig nicht wüssten.

Auch Alkoholfahrten seien mit Leihrollern wahrscheinlicher - "etwa, wenn der Scooter direkt vor dem Biergarten steht", wie der Experte sagt.

Welche Konsequenzen werden gefordert?

38,1 Prozent mehr Unfälle im Vorjahresvergleich - eine alarmierende Entwicklung, wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) erklärt. Der DVR fordert einen Befähigungsnachweis für alle Verkehrsteilnehmenden, die keinen Führerschein besitzen. Dies sieht auch Unfallforscher Brockmann als nötig an. Damit würde der Staat auch klarmachen, dass es sich um ein Kraftfahrzeug handele, für das Regeln gelten - und kein Spaßfahrzeug, wie der Experte sagt.

Zudem müsse das Mindestalter für die E-Scooter-Nutzung von 14 auf 15 Jahre angehoben werden. Junge Menschen seien sich häufig der Tragweite ihres Tuns nicht bewusst - und hier zähle jedes Jahr, sagt Brockmann. Die jüngst von der Bundesregierung beschlossenen Änderungen, etwa die Blinkerpflicht, nennt er dagegen ein echtes Armutszeugnis.

Die Experten fordern zudem einhellig mehr Kontrollen. Dass zu zweit auf den Rollern gefahren werde, auf dem Gehweg, unter Alkoholeinfluss, dass zu junge Fahrer und Fahrerinnen unterwegs sind - all dies zeige, dass teilweise gar nicht kontrolliert werde, sagt Unfallforscher Brockmann.

Bundestag will Haftung regulieren

Die Bundesregierung will es Geschädigten von E-Scooter-Unfällen erleichtern, Schadenersatz geltend zu machen. Künftig sollen die Halter von E-Scootern auch haften, wie die Regierung Anfang Juli mitteilte. Ziel sei, dass bei Unfällen mit E-Scootern gleiche Haftungsbedingungen gelten wie bei Unfällen mit Autos.

"Bei vielen Unfällen, an denen E-Scooter beteiligt sind, handelt es sich um Mietfahrzeuge", heißt es dazu von der Bundesregierung auf deren Website. Deren Fahrerin oder Fahrer seien deshalb häufig schwer zu ermitteln. "Die Halter sind überwiegend Sharing-Anbieter, die E-Scooter vermieten. Daher wird - wie bei anderen Kraftfahrzeugen - eine Gefährdungshaftung für den Halter von sogenannten Elektrokleinstfahrzeugen eingeführt. So wird verhindert, dass die Geschädigten leer ausgehen." Der Bundesrat muss dem Vorhaben noch zustimmen./wem/DP/zb



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