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26.06.2026 15:00



Volkswagen

Wolfsburg (dpa) - Zwei Jahre nach dem erbitterten Tarifkonflikt steht VW offenbar vor einem erneuten Streit um Einsparungen: Einem Medienbericht zufolge will Konzernchef Oliver Blume den Sparkurs noch einmal deutlich verschärfen. Bereits Anfang Juli soll der Aufsichtsrat darüber beraten. Gewerkschaft und Betriebsrat kündigten umgehend Widerstand gegen die Pläne an.

Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werke in Deutschland könnten sogar komplett schließen, schreibt das «Manager Magazin». Die Pläne seien Teil des neuen Zielbilds 2030, das der Vorstand am Mittwoch behandelt habe. Das letzte Wort habe nun der Aufsichtsrat, der am 9. Juli darüber beraten solle.

IG Metall schlägt Alarm

IG Metall und VW-Betriebsrat zeigten sich entsetzt und kündigten umgehend Widerstand dagegen an. «Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern», heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von IG-Metall-Chefin Christiane Benner, Bezirksleiter Thorsten Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo. 

«Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht», heißt es in der Mitteilung. «Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen.» 

Bei der Aufsichtsratssitzung im Juli droht damit ein heftiger Schlagabtausch: Arbeitnehmervertreter stellen dort die Hälfte der Mitglieder, IG-Metall-Chefin Benner ist sogar stellvertretende Vorsitzende des Gremiums. Zusammen mit den beiden Vertretern des Landes Niedersachsen sind sie in der Mehrheit. Das Land ist mit 20 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligt und hat bei wichtigen Entscheidungen ein Veto-Recht.

Niedersachsen will Werksschließungen verhindern

Auch das Land Niedersachsen sprach sich bereits gegen Standortschließungen aus. «Das Land Niedersachsen wird keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt», teilten Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) mit. 

«Die Zukunft von Volkswagen wird nicht dadurch gewonnen, dass man immer neue Werksschließungen oder immer größere Stellenabbauprogramme in den Fokus stellt», heißt es in ihrer gemeinsamen Stellungnahme. «Über konkrete Maßnahmen wird der Aufsichtsrat beraten und entscheiden», so die beiden Politiker, die das Land in dem VW-Kontrollorgan vertreten. «Das Land Niedersachsen wird seine Verantwortung dort mit der gebotenen Sorgfalt wahrnehmen.»

Droht vier Werken das Aus?

Bei den vier Werken, die dem Bericht zufolge «mittelfristig» schließen könnten, handelt es sich um die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie den Audi-Standort Neckarsulm. Der dortige Betriebsrat kündigte ebenfalls umgehend Widerstand dagegen an: «Eine Schließung des Werks Neckarsulm steht für uns als Arbeitnehmervertretungen nicht zur Debatte», hieß es in einer ersten Stellungnahme.

Ein konkretes Datum für die Maßnahmen nannte das «Manager Magazin» nicht. Bis mindestens 2030 gilt an den deutschen Konzernstandorten eine Beschäftigungssicherung, die mit der IG Metall vereinbart wurde.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zeigte sich besorgt. «Das darf sich so nicht realisieren», sagte der CDU-Politiker. Sein Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) will eine mögliche Schließung des Standorts Zwickau nicht hinnehmen. «Wir werden um das Werk, um die Arbeitsplätze kämpfen. Das steht außer Frage», sagte er. Kritik kam auch aus der Politik in Berlin. «Der geplante Stellenabbau bei VW ist eine bodenlose Sauerei», sagte Linken-Vorsitzende Ines Schwerdtner. 

Konzern plant «umfassende Transformation»

Der Konzernvorstand habe «in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens gearbeitet», bestätigte ein Sprecher auf Anfrage. «Es geht darum, das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen.» 

Ziel sei eine «umfassende Transformation», so der Sprecher weiter. «Der gesamte Konzern - inklusive Marken und Gesellschaften - muss sich tiefgreifend verändern.» Im nächsten Schritt solle dies nach Befassung des Aufsichtsrats in die Umsetzung gebracht werden. Details zu konkreten Maßnahmen nannte der Sprecher nicht.

Blume: VW braucht neues Geschäftsmodell

Konzernchef Oliver Blume hat in den vergangenen Monaten wiederholt erklärt, dass das bisherige Geschäftsmodell von VW so nicht mehr funktioniere, der Konzern sich neu aufstellen müsse und die Kosten weiter sinken müssten. «Wir werden jeden Stein umdrehen», hatte Blume bereits im Frühjahr angekündigt. Bisher hatte er es aber vermieden, Details zu möglichen Einsparungen zu nennen.

Sparen will der Konzern dem «Manager Magazin» zufolge auch bei der Modellpalette: Die Zahl der Fahrzeugmodelle im Konzern solle von bisher 150 auf weniger als 100 sinken. Auch ein mögliches US-Werk von Audi würde dem Rotstift zum Opfer fallen. Stattdessen solle Audi bei der neuen US-Marke Scout unterkommen.

Abbau von 37.000 Stellen fix 

Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt, davon 35.000 bei der Kernmarke VW. In Dresden ist die Fahrzeugproduktion jüngst ausgelaufen, für Osnabrück sucht der Konzern derzeit nach einer Lösung, wenn dort im kommenden Jahr die Cabrio-Fertigung ausläuft.

Zuletzt war es bei VW 2024 zum heftigen Tarifstreit gekommen. Mehrmals legte die IG Metall mit Warnstreiks die Produktion lahm. Erst kurz vor Weihnachten kam es nach einem einwöchigen Verhandlungsmarathon zum Kompromiss. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen, der Stellenabbau erfolgt vor allem über Altersteilzeit und Abfindungsprogramme. 

Konzernweit haben bereits mehr als 37.000 Beschäftigte unterschrieben, wie ein Konzernsprecher bestätigte. Zuvor hatte das «Handelsblatt» berichtet.



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