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29.04.2026 13:46

Was bringt eine Zuckerabgabe? So reagieren Rewe und Edeka

BERLIN (dpa-AFX) - Die geplante Einführung einer Abgabe auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke stößt bei Branchenvertretern der Lebensmittelwirtschaft und Fachleuten auf ein geteiltes Echo. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Händlern, Herstellern, Verbänden und Experten.

Nach den Plänen der Bundesregierung soll von 2028 an eine Zuckerabgabe eingeführt werden. Hintergrund sind Empfehlungen einer vom Gesundheitsministerium eingesetzten Kommission, die Reformvorschläge vorgelegt hatte. Die Experten schlugen unter anderem eine gestaffelte Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke wie Limonaden und Colas vor, auch um Krankheitskosten zu verringern.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) lobte die Pläne. "Die Einführung einer Abgabe auf Süßgetränke kann zur Prävention der Adipositas und anderer ernährungsmitbedingter Erkrankungen beitragen", hieß es. Aus wissenschaftlicher Sicht seien Steuern auf Süßgetränke eine wirksame Präventionsmaßnahme.

Edeka-Chef: "Kunden sollen selbst entscheiden, was sie kaufen"

Der Vorstandsvorsitzende der Edeka-Zentrale, Markus Mosa, kritisierte das Vorhaben. "Zusätzliche Abgaben würden das ohnehin angespannte Konsumklima weiter verschlechtern - wachstumsfördernde Impulse bleiben dagegen aus. Unsere Kundinnen und Kunden sollen selbst entscheiden, was sie kaufen und essen." Nach Angaben von Mosa bietet Edeka in seinen Supermärkten eine große Auswahl und transparente Kennzeichnung. Bei Eigenmarken werde seit Jahren kontinuierlich Zucker und Salz reduziert.

Die Verbände der Ernährungswirtschaft in Deutschland lehnen die Maßnahme ab. "Die Idee der Zuckersteuer hat Gewinner und Verlierer. Die Gewinner sind der Finanzminister, die Inflation und leider die AfD", sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und des Lebensmittelverbands Deutschland. Nach Ansicht von Kritikern könnte eine Zuckerabgabe die Argumentation der AfD unterstützen, der Staat bevormunde seine Bürger. Zu den Verlierern zählten unter anderem die Verbraucher, sagte Minhoff.

"In keinem Land führte das zu weniger Übergewicht"

Die Zuckerwirtschaft übte ebenfalls Kritik. "Wer Prävention gegen Übergewicht erfolgreich betreiben will, ist mit einer Zuckerabgabe auf dem Holzweg. Denn in keinem Land führte das zu weniger Übergewicht", sagte der Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, Günter Tissen. In Großbritannien ersetzten die Hersteller den Zucker in Getränken durch künstliche Süßstoffe. "Die Übergewichtsraten steigen aber weiter an."

Auch der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels lehnt eine Zuckerabgabe ab. Diese zeichne ein Bild, "das nicht mit der tatsächlichen Entwicklung in Deutschland übereinstimmt". So sei der Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Zudem habe die Lebensmittelwirtschaft längst gehandelt. Der Zuckergehalt von marktrelevanten Erfrischungsgetränken sei seit 2018 um rund 15 Prozent reduziert worden.

Rewe-Chef: "Genau anschauen, was es bringt"

Zurückhaltend äußerte sich der Chef der Rewe-Gruppe, Lionel Souque: "Da muss man sich immer genau anschauen, was es bringt." In Großbritannien habe die Zuckersteuer mit Blick auf die Gesundheitswirkung offenbar keinen eindeutigen Erfolg. Souque zufolge ist der Handelskonzern auch selbst aktiv. "Wir reduzieren bei allen unseren Eigenmarken bereits Salz, Zucker und Zusatzstoffe - soweit das geschmacklich geht. Und wir setzen auf klare Informationen und Auswahl - statt auf neue Abgaben." Er sei der Meinung, "dass die Menschen selbst entscheiden sollen".

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels verfolgt die Diskussion "ergebnisoffen". Entscheidend seien wissenschaftliche Belege, dass sich die Gesundheit der Menschen nachhaltig verbessert, sagte Hauptgeschäftsführer Philipp Hennerkes. Der Handel trage mit einem breiten Sortiment und durch Informationsangebote maßgeblich zu einer ausgewogenen Ernährung und einer Wahlfreiheit der Verbraucher bei. Aldi Nord und Aldi Süd wollten sich auf Nachfrage nicht äußern./cr/DP/jha



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