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27.04.2026 16:17

WM-Wucher in der Welt von Trump und Infantino

Schockpreise und Fan-Frust

Berlin (dpa) - Der «Boston Globe» fällte bereits ein vernichtendes Urteil vor dem Fußball-Spektakel in der Geld-Welt von US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino. «Die Weltmeisterschaft ist zu einem Verbrechen geworden», schrieb die Zeitung aus einer der WM-Spielorte in den USA: «Der Fußball-Weltverband und nun auch der Staat behandeln die WM wie eine Lizenz zum Stehlen.»

Drei WM-Länder, fast überall wird es teuer

Absurde Ticketpreise sogar bis in die Millionen, an denen die FIFA auch mitverdient. Explodierende Kosten für den Weg zum Final-Stadion mit zigfachem Aufschlag. Und selbst bei Fan-Festivals wird Geld fällig. «Die WM der Schock-Preise», urteilte das «Wall Street Journal» vor dem Turnier, das am 11. Juni beginnt.

Als wäre Reisen ohnehin in diesen Zeiten nicht schon teuer genug. Bei dieser WM mit erstmals 48 Teams beträgt die Fläche der drei Ausrichterländer rund 22 Millionen Quadratkilometer - Europa bringt es auf rund 10,5 Millionen. Von Vancouver im Westen Kanadas - einer der Spielorte - nach Miami im Südosten der USA - ein anderer Spielort - sind es rund 4500 Kilometer. Zum Vergleich: Vom westlichsten Punkt auf dem Festland Europas, Cabo da Roca in Portugal, sind es knapp 4.000 Kilometer bis nach Moskau.

«'Normalverdiener' nicht Zielgruppe des 'Events'»

«Klar ist, dass der Besuch dieser WM weder finanziell noch moralisch in dem Rahmen liegt, den wir von WMs kennen», erklärte die Fan-Vereinigung «Fairness United» auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: «Und auch, dass 'Normalverdiener' schlicht nicht die Zielgruppe des 'Events' sind.» 

Auf der Homepage schreibt «Fairness United»: «Die FIFA hat alles darangesetzt, aus der Weltmeisterschaft ein Hochglanzprodukt zu machen, das sich medial extrem gut verkaufen lässt.» Und während der Spiele sei alles so teuer, dass man sich ziemlich sicher sein kann, «dass keine prolligen, grölenden oder gar betrunkenen Fußballfans durchs Bild laufen».

Zusammen mit dem Sekretariat der Welthandelsorganisation hatte die FIFA auch eine Studie veröffentlicht: Prognose zum beträchtlichen sozioökonomischen Nutzen der WM. Demnach könnte das Turnier bis zu 40,9 Milliarden US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, 8,28 Milliarden US-Dollar an sozialen Leistungen. Nur für die USA wurde von einem Bruttoproduktionswert von 30,5 Milliarden US-Dollar und einem Bruttoinlandsprodukt von 17,2 Milliarden US-Dollar ausgegangen. Das dürfte auch Trump imponiert haben, dessen aggressive US-Politik manchen Fan aber vom Besuch abhalten dürfte. 

Die Vorhersagen - und die Realität

«Die Tourismusprognosen für die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 sind vielversprechend. Dieser Besucheransturm wird voraussichtlich wirtschaftliche Aktivitäten in Milliardenhöhe generieren, wovon die Branchen Gastgewerbe, Verkehr und Einzelhandel profitieren werden», hieß es in dem Bericht aber weiter. Hotels in den Gastgeberstädten würden sich auf Rekordauslastungen vorbereiten.

Dass in solchen Hochphasen auch die Preise mitunter enorm steigen, ist bekannt. Dem US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» sagte allerdings der Präsident und Geschäftsführer der Hotel-Vereinigung von New York, Vijay Dandapani, zwei Monate vor dem WM-Auftakt: Im Gegensatz zu dem massiven Hype, der die Ankündigung der Weltmeisterschaft begleitet habe, «lag die Nachfrage sicherlich nicht annähernd auf diesem Niveau». 

Die Hotelbuchungen in New York seien für Juni und Juli praktisch identisch mit denen des Vorjahreszeitraums. Berichte gab es auch über umfangreiche Hotel-Stornierungen durch die FIFA selbst. 

Kein Witz: Final-Tickets für mehr als zwei Millionen Dollar

104 WM-Spiele sind eine ganze Menge. Es wird interessant sein, ob und wie viele Plätze leer bleiben in den insgesamt 16 WM-Stadien. Durch die neue Preispolitik der FIFA jedenfalls ist es kein Event für jedermann. Jüngst wurden auf der Wiederverkaufsseite der FIFA vier Tickets für das WM-Finale angeboten - an sich nichts Ungewöhnliches. Der Preis war es schon: 2.299.998,85 Dollar. Pro Ticket. Geboten wurden dafür Plätze hinter einem der Tore im Unterrang. 

Immerhin: Wer sich das leisten kann, wird auch wegen des fast zwölffachen Bahnpreises für den Weg nach East Rutherford in New Jersey nicht meckern. Denn der Trip zum Final-Stadion nahe New York, in dem unter anderem auch Deutschland am 25. Juni gegen Ecuador spielt, und wieder zurück kostet statt der üblichen 12,90 Dollar stramme 150.

«Ich werde New Jerseys Pendler nicht jahrelang mit dieser Rechnung belasten», erklärte Gouverneurin Mikie Sherrill: «Die FIFA sollte für die Fahrten zahlen. Aber wenn sie es nicht tut, werde ich nicht zulassen, dass New Jersey reingelegt wird.»

Die FIFA fühlt sich in Sachen Transport nicht zuständig. Einfluss auf die Preise auf dem Ticket-Portal hat der Weltverband auch nicht, kassiert aber mit ab: eine Kaufgebühr von 15 Prozent vom Käufer jedes Tickets und eine Wiederverkaufsgebühr von 15 Prozent vom Verkäufer. 

Sportausschuss-Vorsitzende: «Preispolitik der FIFA ist absurd»

Ansonsten kommentiert der Fußball-Weltverband das neue Modell mit steigenden Preise je nach Nachfrage: «Der variable Preisansatz der FIFA bei der Ticketvergabe steht im Einklang mit den Branchentrends in verschiedenen Sportarten.»

Deutliche Kritik an der FIFA-Preispolitik kam jüngst von der Sportausschuss-Vorsitzenden des Bundestags. «Bezahlbare Tickets sind Mangelware und das führt leider dazu, dass vielen begeisterten Fußballfans aus allen Ländern die Stadiontore verschlossen bleiben», sagte SPD-Politikerin Aydan Özoğuz der «Rheinischen Post»: «Die Preispolitik der FIFA ist absurd.»



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