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27.04.2026 14:30

Deutsch-britischer Wirtschaftsgipfel: Freunde mit Vorzügen?

Wirtschaftspolitik

Berlin (dpa) - Die Londoner Wahrzeichen, die schottischen Highlands, die walisischen Küstenstraßen - in Großbritannien liegen für Millionen Deutsche Sehnsuchtsorte. Und für die deutsche Wirtschaft? Gut sechs Jahre nach dem Brexit bemühen sich die Regierungen beider Staaten zunehmend um eine Wiederannäherung. Beim deutsch-britischen Wirtschaftsforum in Berlin wurde am Nachmittag eine engere Zusammenarbeit bei der Sicherung von seltenen Erden sowie im Bereich der Künstlichen Intelligenz angekündigt.

«Meiner Ansicht nach ist es für unsere beiden Länder - ganz logisch betrachtet - genau der richtige Schritt, gemeinsam zu prüfen, wie wir unsere jeweiligen Ansätze aufeinander abstimmen können», sagte der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle der Deutschen Presse-Agentur über die Kooperation bei der Erschließung der wichtigen Mineralien. Die Lücke zu Marktführer China ist enorm. Im KI-Sektor wird sich Großbritannien der EU AI Champions Initiative anschließen, die Großkonzerne und Tech-Start-ups zusammenbringt.

Als «Freunde mit gewissen Vorzügen» beschreibt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) die Beziehung der beiden Länder. Der Wirtschaftsgipfel in Berlin baute auf dem im Juli 2025 unterzeichneten Kensington-Vertrag auf. Die Welt verändere sich derzeit rasant, sagte Kyle. Darauf müsse reagiert werden - gemeinsam als Kontinent. Experten sehen trotz aller Fortschritte allerdings noch Nachholbedarf.

Wie ist der aktuelle Stand der Wirtschaftsbeziehungen?

«Die deutsch-britische Wiederannäherung ist aus wirtschaftlicher Perspektive überfällig», schreibt Marc Lehnfeld von der bundeseigenen Gesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) in London. York-Alexander von Massenbach von der Britischen Handelskammer in Deutschland (BCCG) sagte der dpa: «Die Herausforderungen der Post-Brexit-Welt sind in der Praxis für unsere Mitglieder unverändert spürbar.»

Das Vereinigte Königreich war 2022 nach dem EU-Austritt 2020 zwischenzeitlich aus den Top Ten der deutschen Handelspartner gefallen. Mit einem Handelsvolumen von 118,4 Milliarden Euro lag UK 2025 immerhin wieder auf dem neunten Platz.

Welche Probleme belasten die Beziehungen?

Nach wie vor sind die durch den Brexit entstandenen Hürden beim Handel und für Unternehmen hoch. Dazu gehören Zollformalitäten mit Bürokratie und langsameren Lieferwegen - hier sollen bis Sommer Vereinfachungen beschlossen werden - sowie unterschiedliche Produktstandards und Zertifizierungen. Der fehlende EU-Standard der Arbeitnehmerfreizügigkeit führt zu Unsicherheiten und Planungsschwierigkeiten. Eine Rückkehr in die Zollunion schließt die britische Regierung bislang aus.

«Grenzüberschreitend ist der Arbeitskräftemangel eine große Hürde. Hinsichtlich der Visa-Regulationen wäre mehr Flexibilität wünschenswert, insbesondere für Branchen mit Arbeitskräftemangel», sagte von Massenbach. Insgesamt sei es vor allem zur administrativen Entlastung von kleinen und mittleren Unternehmen «sinnvoll, die Regulation zu vereinfachen, Kosten zu reduzieren», ergänzte der Partner der Wirtschaftskanzlei GSK Stockmann in London.

Ein Bericht eines britischen Parlamentsausschusses wirft der Regierung vor, den «Reset» mit der EU nicht konsequent genug zu verfolgen. Minister Kyle widerspricht: Man habe viel erreicht, so sei Großbritannien wieder dem EU-Hochschulprogramm Erasmus und dem europäischen Forschungsrahmen Horizon beigetreten.

Welche britischen Branchen stehen besonders im Fokus?

Die GTAI verweist auf den stark wachsenden britischen Energiesektor und die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Die britische Regierung hatte das Ziel ausgegeben, zur «Supermacht der sauberen Energie» zu werden, bis 2030 soll die Stromproduktion praktisch emissionsfrei sein. «Dazu gehört der Ausbau der britischen Offshore-Windenergie als weltweit zweitgrößtem Markt nach China. Eine zentrale Rolle spielt die Modernisierung und Erweiterung des Stromnetzes», schreibt Lehnfeld.

Im Verteidigungsbereich hatte Premierminister Keir Starmer im Verlauf des Ukraine-Kriegs immer wieder die Erhöhung der Ausgaben ab 2027 auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angekündigt. Aus Deutschland haben sich bereits mehrere Unternehmen niedergelassen. Rheinmetall produziert laut GTAI unter anderem 623 Transportpanzer für die britische Armee, auch für die Produktion von Drohnen wechselten deutsche Start-ups über den Ärmelkanal.

Was sind die wichtigsten deutschen Exporte?

Der Nahost-Krieg wird nach Einschätzung der Experten auch den Handel beider Nationen belasten. «Steigen die Energiepreise weiter und verteuern sich Produktion und Vorleistungen entlang der industriellen Wertschöpfungsketten, drohen Investitionspläne auf Eis gelegt zu werden», sagte Lehnfeld. «Auch die Industrieproduktion könnte niedriger ausfallen. Dann gehen auch die deutschen Exporte von Industriemaschinen und Vorleistungsgütern zurück.»

Mit Blick auf die Warenexporte ist das deutsche Auto der Erfolgsgarant in Großbritannien. «Die Neuwagenregistrierungen in UK sind 2025 um 3,5 Prozent auf über zwei Millionen Pkw gestiegen», sagte Lehnfeld der dpa. «Die deutschen Pkw-Exporte wiederum stiegen im gleichen Zeitraum um über 12 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro an. Deutschlands wichtigstes Exportgut auf die Insel macht nun wieder jeden fünften Euro der deutschen Ausfuhren nach UK aus.»



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