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24.04.2026 04:45

Auf Chinas Automarkt läuft das nächste Rennen um die Zukunft

Automesse in Peking

Peking (dpa) - Im hart umkämpften chinesischen Automarkt kommen deutsche Hersteller bei E-Autos nur mit Mühe hinterher. Das soll sich bei autonomen Fahrfunktionen und digitalen Diensten nicht wiederholen. Die nun gestartete Pekinger Automesse zeigt: Das nächste Rennen ist in vollem Gange. Es entscheidet sich bei Themen wie Software, Fahrassistenz und KI im Cockpit. 

Zugleich trifft der Messe-Auftakt auf einen Markt, der deutlich an Dynamik verloren hat. Von einer «Stagnationsphase» spricht Beatrix Keim vom Center Automotive Research (CAR). «Der chinesische Markt hat nicht nur eine enorme Wettbewerbsintensität, er ist auch in einer harten Konsolidierungsphase», bestätigt auch Peter Fintl, Technologieexperte bei der Beratungsgesellschaft Capgemini.

Preiskrieg belastet den Markt

Besonders problematisch ist der seit Jahren andauernde Preiskrieg. Viele Hersteller haben ihre Autos immer billiger angeboten, teils so stark, dass kaum oder gar kein Geld zu verdienen war. Inzwischen ist das auch zu einem politischen Thema geworden. Die Behörden gehen schärfer gegen den «ruinösen Preiswettbewerb» vor. 

Für die deutschen Hersteller werde es erneut «ein hartes Jahr», so Keim. Ein richtiges Comeback hält sie erst ab 2027 für möglich, nämlich dann, wenn die neuesten Modelle bei den Kunden gut ankommen. 

Bessere Zeiten für deutsche Hersteller in Sicht? 

Früher galt: Reiche Chinesen zeigten ihren Wohlstand gerne mit westlichen Premiummarken wie Mercedes, BMW oder Audi. Heute sieht das anders aus. «Chinesische Kunden sind mittlerweile patriotischer», sagt Autoexperte Philipp Kupferschmidt von der Unternehmensberatung Accenture. Zusammen mit den Preisunterschieden spreche mittlerweile vieles für chinesische Autos.

Die Konsolidierungswelle auf dem chinesischen Markt dürfte den Deutschen aber helfen, sagt Kupferschmidt. «Dann werden auch die Preise absehbar wieder steigen und dann sieht es für die deutschen Autobauer auch wieder besser aus», sagt der Fachmann. 

Es dreht sich viel um Vernetzung 

Einst war die Volksrepublik der große Wachstumsmotor der deutschen Autokonzerne mit Traumrenditen. Mittlerweile mussten sie sich anpassen: mehr lokale Entwicklung, schnellere Modellzyklen, Software-Kooperationen und Technik direkt für chinesische Kundenwünsche. Kupferschmidt sieht hier noch Luft nach oben: «Nur ein kleines lokales Entwicklungscenter mit 40 Leuten für oberflächliche Modifikationen reicht nicht. Man muss aus deutscher Sicht auch loslassen können», rät der Experte den Entwicklern in Wolfsburg, Stuttgart oder München.

Erneut zeigt die Messe viel Technologie, passend zum Motto «Zukunft der Intelligenz». Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Branchenverbands CPCA, rechnet beim autonomen Fahren und bei der Vernetzung mit «großen Upgrades der nächsten Fahrzeuggeneration». Es gehe darum, dass hochautomatisiertes Fahren in mehr Autos und in mehr Situationen möglich werde - auf der Autobahn ebenso wie im Stadtverkehr. Zugleich ziehe mehr Künstliche Intelligenz ins Fahrzeug ein.

Mercedes zeigt Assistenzsystem 

Mercedes demonstriert das mit dem «Navigation Guided Assist» (NGA), der das Auto selbst von Punkt A nach Punkt B fahren lässt. Bei einer Probefahrt im wuseligen Pekinger Verkehr muss Mercedes-Entwickler Yunfei über eine halbe Stunde nicht eingreifen. Der autonome Fahrassistent mit Level 2++ verlangt lediglich, dass er alle 15 Sekunden das Lenkrad berührt. 

Gegenverkehr beim Linksabbiegen, Rollerfahrer beim Rechtsabbiegen, falsch geparkte Autos in engen Straßen - für den mit KI gefütterten Assistenten kein Problem. Noch in diesem Jahr plant der Konzern, die Software landesweit anzubieten, also auch außerhalb von Metropolregionen wie Peking und Shanghai. Viele chinesische Hersteller bieten das allerdings längst an. 

Experte: «Wir können es noch»

Noch vor einem Jahr hatte ein tödlicher Autounfall mit aktiviertem Fahrassistenten die Werbemethoden mancher Marken infrage gestellt. Die Regierung schritt ein und pfiff Hersteller zurück, die ihre Systeme allzu offensiv vermarkteten. Inzwischen gelten strengere Vorgaben für Sicherheit und Werbung, während Robotaxi-Dienste im chinesischen Alltag sichtbarer werden.

Ein weiterer Trend ist Chinas Vorstoß in die Oberklasse. Was chinesische Hersteller hier «beim Kundenerlebnis, bei Reichweite und Schnellladefähigkeit vorzeigen, kann sich mit der Weltspitze messen», sagt Fintl. Der Auto-Fachmann sieht keine Chance für eine Rückkehr der deutschen Dominanz auf dem chinesischen Markt. Aber es sei auch nicht das Ende. Sein Fazit: «Wir können es noch, stehen aber unter enormem Druck.»



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