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22.04.2026 11:18

ROUNDUP: Klimawandel schadet Gesundheit, Landwirtschaft und Ökosystem

GENF/HEIDELBERG (dpa-AFX) - Durch den menschengemachten Klimawandel gibt es mehr Hitzetote und zunehmende Schäden für die Landwirtschaft und Ökosysteme. Während die Zahl der Hitzetoten in Europa laut dem aktuellen "Lancet Countdown Europe Report 2026" drastisch steigt, warnen die Weltwetterorganisation (WMO) und die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) vor Ernteausfällen und bedrohten Existenzgrundlagen für mehr als eine Milliarde Menschen.

"Die Häufigkeit, Intensität und Dauer extremer Hitzewellen haben im Laufe des letzten halben Jahrhunderts stark zugenommen", berichten die Organisationen. "Die Risiken für die Agrar- und Ernährungssysteme sowie die Ökosysteme dürften in Zukunft in die Höhe schnellen."

Hitzetodesfälle steigen fast überall

Laut dem aktuellen "Lancet Countdown Europe Report 2026" hat die Zahl der hitzebedingten Todesfälle im Zeitraum von 2015 bis 2024 im Vergleich zu den Jahren 1991 bis 2000 in fast allen untersuchten Regionen (99,6 Prozent) zugenommen. Im Durchschnitt starben jährlich 52 Menschen mehr pro Million Einwohner an den Folgen der Hitze, in südeuropäischen Ländern wie Spanien, Italien, Griechenland und Bulgarien lag dieser Wert teils über 120.

Die Zahl der Tage mit Gesundheitswarnungen vor extremer Hitze stieg in Europa im selben Zeitraum um durchschnittlich 318 Prozent, wobei Westeuropa einschließlich Deutschland (450 Prozent) den höchsten Anstieg verzeichnete. Die Studie einer internationalen Gruppe um Joacim Rocklöv vom Universitätsklinikum Heidelberg ist im Fachmagazin "The Lancet" erschienen.

Tiere sind besonders betroffen

Parallel dazu schlagen die Weltwetterorganisation (WMO) und die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) Alarm. In einem gemeinsamen Bericht zum Welttag der Erde betonen sie, dass Nutztiere und -pflanzen extrem unter der zunehmenden Hitze leiden.

Für die meisten Haustiere beginne Hitzestress bereits ab 25 Grad. Hühner und Schweine seien besonders gefährdet, da sie sich nicht durch Schwitzen kühlen können. Fische könnten an Herzversagen sterben, wenn sie eine erhöhte Atemfrequenz aufrechterhalten müssen, weil bei extremen Hitzewellen in Gewässern der Gehalt an gelöstem Sauerstoff sinkt.

Pflanzen und Landwirte sind ebenfalls Opfer

In der Pflanzenwelt führen Temperaturen über 30 Grad dem Bericht zufolge bei den meisten wichtigen Kulturen zu Ertragseinbußen. Besonders hitzeempfindlich reagieren Kartoffeln und Gerste. Zudem drohen durch Hitzewellen häufigere und intensivere Brände, die ganze Wälder und Felder vernichten. Die Brandsaison dauere vielerorts heute länger als früher, und Brände seien intensiver als im langjährigen Durchschnitt.

Für Landwirte in Regionen wie Südasien oder Afrika könnte die Arbeit auf den Feldern bis Ende des Jahrhunderts an bis zu 250 Tagen im Jahr wegen extremer Hitze unmöglich werden.

Infektionskrankheiten und Allergien nehmen zu

Neben der direkten Hitzeeinwirkung identifizieren die Mediziner im "Lancet"-Report weitere Risiken. Durch die Erwärmung beginnt die Pollensaison für allergene Baumarten heute ein bis zwei Wochen früher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Zudem breiten sich tropische Infektionskrankheiten aus, da Stechmücken bessere Lebensbedingungen finden. So stieg das Risiko für eine Übertragung des Dengue-Virus in Europa zuletzt um fast 300 Prozent. Auch die Gefahr durch West-Nil-Fieber und Malaria nimmt zu.

Trotz eines Anstiegs des Anteils erneuerbarer Energien an der europäischen Stromversorgung auf 21,5 Prozent im Jahr 2023 bleibt die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen dem Bericht zufolge hoch. Die Subventionen für Kohle, Öl und Gas stiegen infolge der Energiekrise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine allein im Jahr 2023 auf 444 Milliarden Euro.

Kritisch sehen die Forscher zudem die vermehrte Nutzung von Biomasse, wie Holzpellets. Obwohl Biomasse als erneuerbar gilt, setzt ihre Verbrennung Feinstaub und giftige Substanzen frei, was zwischen 2000 und 2022 zu einem Anstieg der Todesfälle in Wohngebäuden um vier Prozent führte.

Appell für schnelles Handeln

Die Experten fordern eine verlässliche Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen im Gesundheitswesen. Zwar planen immer mehr Länder solche Schritte, doch ohne langfristige Mittel blieben diese wirkungslos. Gleichzeitig betont der WMO-Bericht, dass Anpassungen wie die Verschiebung der Pflanzsaison oder Schattenplätze nur eine begrenzte Lösung darstellen.

Ohne ehrgeizigen Klimaschutz, der die Ursachen bekämpft, würden die Auswirkungen der Hitze die Bewältigungskapazitäten von Mensch und Natur bald übersteigen. "Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, werden darüber entscheiden, ob sich die Gesundheitsfolgen rasch verschärfen oder ob wir uns auf ein sichereres Europa zubewegen", mahnte Joacim Rocklöv vom Universitätsklinikum Heidelberg./ram/DP/nas



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