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20.04.2026 19:38

Unicredit legt nach: scharfe Kritik an Commerzbank-Modell

Ringen um Übernahme

Mailand/Frankfurt (dpa) - Die Commerzbank-Großaktionärin Unicredit hält den Übernahmekampf mit grundsätzlicher Kritik am Geschäftsmodell des Dax-Konzerns am Leben. Die Commerzbank schreibe seit Jahren eine «Geschichte operativer Underperformance» und sei gemessen an ihren Fundamentaldaten inzwischen überbewertet, schreibt die Unicredit in einer aktuellen Präsentation mit dem Titel «Commerzbank. Ein neues Kapitel». Das Frankfurter Institut weise strukturelle Schwächen auf, so die Analyse der Unicredit. Die Commerzbank reagierte ablehnend.

Unicredit-Chef Andrea Orcel betonte in einer Telefonkonferenz: «Die Entscheidung ist einfach: entweder den derzeitigen Kurs der anhaltenden Underperformance fortsetzen oder durch eine Transformation neue Wege beschreiten. Von Plan zu Plan überleben oder die Bank fit machen für die Zukunft.» Der derzeitige Kurs der Commerzbank werde «mittelfristig ihr Überleben gefährden», prognostizierte Orcel.

Unicredit: Commerzbank auf kurzfristigen Erfolg konzentriert

«Unicredit ist als bedeutender Aktionär der Ansicht, dass die Commerzbank auf zukünftige Herausforderungen unzureichend vorbereitet ist und sich zu sehr auf kurzfristigen Erfolg konzentriert», teilte das italienische Geldhaus mit.

In ihrer Präsentation spielt die Unicredit zwei Szenarien durch: Zum einen eine weiterhin eigenständige Commerzbank, die dann bis 2028 sehr viel sparen und sich stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren müsste, zum anderen einen Zusammenschluss mit der Unicredit beziehungsweise deren deutscher Tochter Hypovereinsbank (HVB) mit einem Zeithorizont bis 2030. 

Nach Dafürhalten der Unicredit sollte die Commerzbank in jedem Fall ihren Fokus auf Deutschland und Polen verstärken und gleichzeitig ihre internationalen Aktivitäten zurückfahren. Letztere seien «überdimensioniert,
fragmentiert, risikoreicher, operativ komplex und ineffizient», meint Unicredit.

Sollte es zu einer Übernahme kommen, würde nach Angaben Orcels die eigentliche Integration, Zusammenführung oder Fusion frühestens im Jahr 2029 beginnen.

Commerzbank lehnt Unicredit-Ideen ab

Die Commerzbank wies die Ideen des Mailänder Instituts zurück. Was Unicredit am Morgen präsentiert habe, sei ein «Versuch, das erfolgreiche Geschäftsmodell der Commerzbank aufzubrechen, jedoch kein glaubwürdiger Plan zur Wertsteigerung», schrieb der Frankfurter Dax-Konzern am frühen Abend. Er warf dem italienischen Institut eine «anhaltend feindliche Taktik und irreführende Darstellungen» vor. 

Bundeskanzler Friedrich Merz sagte beim Jahresempfang des Bundesverbands deutscher Banken in Berlin, ohne die Commerzbank beim Namen zu nennen: «Wir brauchen große Banken in Europa, aber lassen Sie mich aus aktuellem Anlass eines auch sehr klar sagen: Dies bedeutet nicht, dass jede Form und jede Art der Übernahme in Deutschland willkommen ist.» 

Italiener werben seit September 2024 für Übernahme

Die Unicredit, die mit einem direkten Anteil von 26 Prozent bereits größter Aktionär der Commerzbank ist und nach jüngsten Angaben insgesamt Zugriff auf knapp unter 30 Prozent der Anteile hat, hatte Mitte März ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien angekündigt. In einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai will sich die Unicredit die Zustimmung ihrer Aktionäre für die nötige Kapitalerhöhung einholen.

Darum habe die Unicredit jetzt auch ihren Standpunkt darlegen müssen, argumentiert Orcel: «Es blieb keine Zeit mehr zum Abwarten, zumal die Tür kurz nach Ostern geschlossen wurde.»

Commerzbank wehrt sich gegen «feindliches» Vorgehen

Die Commerzbank, die Orcels Vorgehen als «feindlich» bezeichnet, hatte bereits kurz nach Ostern einen Austausch mit der Unicredit bestätigt, zugleich aber erklärt, es sei derzeit keine einvernehmliche Lösung erkennbar. Die skizzierten Eckpfeiler einer Transaktion hätten kein ausreichendes Wertschöpfungspotenzial für Commerzbank-Aktionäre über die jetzige Strategie hinaus aufgezeigt. Am 8. Mai will die Commerzbank neue Finanzziele verkünden.

Unicredit-Chef Orcel wirbt seit dem Einstieg seines Instituts bei der Commerzbank im September 2024 für eine Übernahme. Europa brauche im Wettlauf mit starken US-Geldhäusern größere Banken. 

Die Unicredit rechnet vor: Aus einem Zusammenschluss von Commerzbank und HVB entstünde ein deutscher Marktführer mit mehr als 600 Filialen, rund acht Prozent Marktanteil und europaweit mehr als 35 Millionen Kunden. Statt der befürchteten Streichung von 15.000 Jobs in Deutschland würden es über einen Zeitraum von fünf Jahren «weniger als die Hälfte» sein, versichert die Unicredit.



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