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14.04.2026 08:05



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Fondsmanager Christoph Frank setzt sich mit der schlechten Entwicklung deutscher Aktien in den ersten Monaten des Jahres auseinander.

14. April 2026. FRANKFURT (pfp Advisory). Das erste Quartal des Börsenjahres ist vorbei, und für die meisten Besitzerinnen und Besitzer deutscher Aktien war es zum Vergessen. Der DAX, der bekannteste deutsche Aktienindex, verlor mehr als 7 Prozent, seine "kleinen Brüder" MDAX, SDAX und TecDAX in ähnlichen Größenordnungen. Das sind die Fakten, an die sich unmittelbar die oft geäußerte Frage anschließt: Was können Aktionäre nach dem tristen Auftakt für das restliche Börsenjahr erwarten?

Selbstverständlich weiß ich das ebenso wenig wie irgendjemand sonst auf diesem Planeten. Allerdings richte ich bei solchen Anfragen gerne den Blick in die Historie, um etwas Boden unter die unsicher auf dem Börsenparkett herumtapsenden Füße zu bekommen. Und hier lautet der erste, für manche Investoren wohl überraschende Befund: Ein schwaches Auftaktquartal ist keineswegs selten. In immerhin 21 der 66 Jahre von 1960 bis 2025 trat es beim DAX bzw. bei dem von der Bundesbank berechneten Vorgängerindex auf, also in knapp einem Drittel aller Jahre. Legendäre Crash-Jahrgänge wie 1970, 1987, 2001 oder 2008 sind darunter, aber auch einige Überraschungen wie 1999, 2003 oder 2009. Umgekehrt fehlen, auf den ersten Blick ebenfalls verwunderlich, ausnehmend schlechte Jahrgänge wie 1973 oder 2002.

Beim Blick auf die Renditen von April bis Dezember ergibt sich dagegen kein klares Bild: Elfmal folgten auf ein schwaches Auftaktquartal im restlichen Jahresverlauf positive Renditen, zehnmal negative. Diese Verteilung entspricht zwar nicht ganz der Durchschnittsverteilung über alle Zeiträume, die positiver ausfällt, weicht aber auch nicht allzu stark von ihr ab.

Interessanter sind indes einige Details: Schloss das negative Q1 direkt an einen langen und/oder starken Abwärtstrend an, konkret in den Jahren 1963, 2003 und 2009, folgten danach ausnahmslos sehr starke Aufwärtsbewegungen mit Kursgewinnen von rund 21 bis 64 Prozent binnen neun Monaten. Offenbar hatte sich in diesen Fällen während der langen und verlustreichen Phasen zuvor mächtig Kurspotenzial aufgestaut, das sich, nachdem der panikartige Verkaufsdruck abgearbeitet und der Deckel weggeflogen war, wie eine Fontäne entlud. Lag zuvor dagegen eine Hausse, folgten in immerhin über 70 Prozent der Fälle im Restjahr Gewinne. Am gefährlichsten war es, wenn der Fehlstart nach einer Seitwärtsbewegung auftrat: Dann folgte mit 78 Prozent Häufigkeit ein Verlust, also kein "schnelles Comeback" deutscher Blue Chips.

Welches Bild passt am besten zum bisherigen Kursverlauf 2026? Vor dem Q1/2026 lag definitiv keine Baisse, weshalb das Top-Szenario mit den hohen Gewinnen sofort ausscheidet. Unglücklicherweise liegt sowohl eine etwa einjährige Seitwärtsbewegung (seit April 2025) als auch eine etwa dreieinhalbjährige Hausse (seit September 2022) vor. Für meine Analyse habe ich die maßgebliche Grenze für die Seitwärtsbewegung bei (selbstverständlich willkürlich) "mindestens einem Jahr" gezogen, und genau da sind wir aktuell seit den Zollkapriolen infolge des "Liberation Day", seit denen der DAX in der Summe auf der Stelle tritt. Insofern ist das Bild zum aktuellen Zeitpunkt leider nicht eindeutig.

Deutlich klarer ist der Befund, was die Streubreite der Ergebnisse betrifft, vor allem, wenn nur die Auftaktquartale berücksichtigt werden, die einen Verlust von jeweils über 7 Prozent (wie 2026) brachten: Dann betrug die Häufigkeit, von April bis Dezember prozentual zweistellige Gewinne oder Verluste zu erleben, 90 Prozent. Mit 60 Prozent Häufigkeit lag die Rendite sogar jenseits von plus/minus 20 Prozent. Selbstverständlich haben diese Befunde aufgrund der dünnen Datenbasis weniger statistischen als vielmehr anekdotischen Charakter. Wer die Vergangenheit dennoch als Maßstab nimmt, sollte sich nicht wundern, wenn das Restjahr 2026 überragend würde wie 2003, 2009 oder 2020 - oder eben "grottig" wie 1970, 1987 oder 2008. Mit anderen, salopperen Worten: hopp oder topp!

Von Christoph Frank, 14. April 2026, © pfp Advisory

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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