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23.03.2026 14:16



Konjunktur

Berlin (dpa) - Der Chef der Internationalen Energieagentur wählt starke Worte für die Folgen des Iran-Kriegs: Man stehe vor der «größten Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte der Menschheit», sagte Fatih Birol der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» und anderen Medien. Ob beim Blick aufs Depot oder beim Tanken - für die Menschen in Deutschland machen sich die Kriegsfolgen immer stärker bemerkbar. 

Spritpreise 

Der Dieselpreis ist nur noch etwas mehr als einen Cent von seinem Allzeithoch entfernt. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags kostete ein Liter Diesel 2,306 Euro, wie der ADAC mitteilte. Das waren 0,5 Cent mehr als am Samstag. Superbenzin der Sorte E10 verteuerte sich ebenfalls leicht: um 0,2 Cent auf 2,085 Euro. 

Noch greifen die geplanten Gegenmaßnahmen nicht. Vergangene Woche hatte die Koalition aus Union und SPD ihr Spritpreis-Paket in den Bundestag eingebracht. Künftig sollen Tankstellen nur noch einmal am Tag, um 12.00 Uhr, die Preise erhöhen dürfen. Preissenkungen sollen immer möglich sein. Es ist umstritten, ob die neue Regel preisdämpfend wirkt. 

Super ist heute mehr als 30 Cent teurer als vor Kriegsbeginn, Diesel 56 Cent – auch weil der Ölpreis kräftig angezogen hat. 

Ölpreise 

Rohöl aus der Nordsee ist inzwischen 57 Prozent teurer. Das Barrel (159 Liter) Brent mit Lieferung im Mai wurde am Montagmorgen bei 113,45 US-Dollar gehandelt. Heizöl kostet so viel wie seit November 2022 nicht - damals hatten die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eine Energiekrise ausgelöst. 

Donald Trump hatte in der Nacht zum Sonntag (MEZ) mit der Zerstörung von Energieanlagen im Iran gedroht, sollte das Land nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig öffnen. Am Montag sorgte der US-Präsident mit einer anderen Äußerung für eine vorübergehende Wende an den Märkten: Er werde in den nächsten fünf Tagen keine Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur fliegen. 

Aktienmärkte 

Der Dax hat seine Talfahrt zu Wochenbeginn zunächst fortgesetzt. Angesichts der Ängste vor einem weiteren eskalierenden Iran-Krieg büßte der deutsche Leitindex gut zwei Prozent auf 21.870 Punkte ein. Damit rutschte er erstmals seit Trumps Zoll-Schock im April 2025 unter die Marke von 22.000 Punkten. Die neueste Äußerung des US-Präsidenten katapultierte den Dax dann ins Plus: Gut 1000 Punkte ging es zwischenzeitlich nach oben, ein Plus von knapp drei Prozent verglichen mit dem Vortag.

Doch seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran hat das deutsche Börsenbarometer kräftig eingebüßt. Denn nicht nur an den Tankstellen spüren die Menschen den durch den Iran-Krieg ausgelösten Ölpreisschock. Höhere Energie- und Transportkosten treffen zunehmend auch andere Lebensbereiche und Unternehmen. Ökonomen rechnen mit einer deutlich anziehenden Inflation und einem Dämpfer für die Konjunkturerholung in Deutschland. 

Gold und Silber 

Die Preise für Gold und Silber sanken erneut kräftig. Eine Feinunze Gold kostete am Montagmittag rund 4.370 Dollar und damit vier Prozent weniger als am Freitagabend. Noch im Januar war der Goldpreis erstmals über 5.000 Dollar gestiegen. 

Gold ist damit im Iran-Krieg anders als in vielen anderen Krisen davor kein sicherer Hafen. Seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran büßte der Goldpreis mehr als 18 Prozent ein. Noch drastischer ist die Entwicklung bei Silber. Das Edelmetall verbilligte sich seit Kriegsausbruch um mehr als 30 Prozent. 

Hintergrund ist unter anderem, dass die Hoffnung auf sinkende Zinsen schwindet. Es wird zunehmend erwartet, dass die US-Notenbank und auch die Europäische Zentralbank in diesem Jahr die Leitzinsen erhöhen werden. Damit wird Gold weniger attraktiv für Anleger, weil Gold keine Zinsen abwirft, Anlagen wie Staatsanleihen dagegen schon. Zudem bremst der aktuelle starke Dollar die Nachfrage nach den Edelmetallen, denn sie werden in Dollar gehandelt, der als Krisenwährung gerade vergleichsweise teuer ist. 

Wie geht es weiter? 

Alles hängt vom Verlauf des Iran-Kriegs ab, insbesondere von der Entwicklung an der Straße von Hormus. «Wenn die Ölarterie sich verengt, atmet das ganze System durch einen Strohhalm», sagte Marktstratege Stephen Innes von SPI Asset Management. Es gehe inzwischen weniger um Einzelereignisse als die schiere Länge des Konflikts. Die Instabilität baue sich langsam auf. Besorgniserregend sei der gemeinsame Rutsch von Aktien, Anleihen und sogar des Goldpreises, bemerkte Innes. Das Geld rotiere nicht, sondern werde schlicht abgezogen. 

«Die Lage ist so unsicher wie noch nie seit dem Beginn dieses Krieges», ergänzte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC. Partners. Niemand wisse, wie weit die USA und Israel wirklich zu gehen bereit seien. «Die Panik, die lange Zeit nicht vorhanden war, frisst sich jetzt in die Märkte und in die Kurse.»



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