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05.03.2026 09:18

Risiken und Nebenwirkungen: Aston Martin droht Debakel

Formel-1-Start in Melbourne

Melbourne (dpa) - Die Nebenwirkungen des neuen Formel-1-Autos von Aston Martin haben es in sich. Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso berichtete vor seinem Jubiläum in der Motorsport-Königsklasse von einem Taubheitsgefühl an Hand und Fuß. Sein Teamkollege Lance Stroll fühlt sich schon vor dem ersten Grand Prix der Saison an diesem Sonntag (5.00 MEZ Uhr/Sky) in Melbourne wie auf einem elektrischen Stuhl. Wie wurde Aston Martin schon jetzt zum Fall für die Notaufnahme?

Das liegt am neuen Motorenpartner Honda. Die Japaner, die mit McLaren und Red Bull Weltmeisterschaften abräumten, sind erst zu dieser Saison, die einen der größten Reglementeinschnitte in der Formel-1-Geschichte erlebt, zurückgekehrt. Und mit dem Honda-Motor läuft bisher so einiges schief.

Sogar der Rückspiegel fällt ab

Antriebsbedingte Vibrationen würden «einige Probleme hinsichtlich der Zuverlässigkeit» verursachen, räumte Aston-Martin-Teamchef Adrian Newey, der erfolgreichste Rennwagen-Designer der Formel-1-Historie, ein. «Rückspiegel fallen ab und so weiter, was wir beheben müssen. Das viel größere Problem ist jedoch, dass sich die Vibrationen letztendlich auf die Finger des Fahrers übertragen werden.»

Alonso und Stroll können ihren Dienstwagen stärker spüren, als ihnen lieb sein kann. Der Spanier, der 2001 in Melbourne sein Formel-1-Debüt im Minardi gefeiert hatte, habe ihm gesagt, «dass er nicht mehr als 25 Runden am Stück» fahren könne, «ohne eine dauerhafte Schädigung der Nerven in seinen Händen zu riskieren», meinte Newey. Stroll wiederum, der bei Alonsos Premiere in der Motorsport-Königsklasse erst zwei Jahre alt war, rechne damit, «dass er nicht mehr als 15 Runden» fahren könne.

Nur in homöopathischen Dosen fahren

Der auf das Kürzel AMR26 getaufte Rennwagen ist verschreibungspflichtig. Alonso und Stroll dürfen ihn nur in homöopathischen Dosen nutzen. «Wir werden die Anzahl der Runden, die wir im Rennen fahren, stark einschränken müssen, bis wir den Vibrationen auf den Grund gegangen sind und Verbesserungen erzielt haben», verordnete Newey.

58 Runden beträgt die Renndistanz auf dem Albert Park Circuit. Aktuell ist diese Marke für Aston Martin illusorisch. «Wir haben für dieses Wochenende eine Lösung geschaffen, die auf dem Prüfstand getestet wurde und die Vibrationen, die auf die Batterie einwirken, erfolgreich und deutlich reduziert hat», erläuterte Newey. Nur verschwunden sind die heftigen Schwingungen nicht, was die Fahrer heftig zu spüren bekommen.

Empfänger und Verstärker

«Man muss jedoch bedenken, dass die Antriebseinheit die Quelle der Vibrationen ist, sie ist der Verstärker. Das Chassis ist in diesem Szenario der Empfänger», erläuterte Newey, dessen Designs 12 Konstrukteurs-Titel und 13 Fahrer-Titel gewannen. «Ein Carbon-Chassis ist von Natur aus eine steife Struktur mit sehr geringer Dämpfung, sodass wir bei der Übertragung dieser Vibrationen auf das Chassis keine Fortschritte erzielt haben.»

Schon die Testfahrten in Bahrain wurden für das ambitionierte Projekt des kanadischen Teambesitzers Lawrence Stroll, der im Modegeschäft Milliarden gemacht hat, zum Debakel. Die übermäßigen Vibrationen des Motors beschädigten die Batterieeinheit, bis Aston Martin die Ersatzteile ausgingen. Am Ende mussten Alonso und Stroll länger in der Garage stehen, als sie Runden drehen konnten.

Honda und Alonso - da war was

«Es ist eine sehr unangenehme Vibration, die schlecht für den Motor und schlecht für den Menschen im Auto ist», sagte Lawrence Strolls Sohn Lance. «Es ist so, als ob man auf einem elektrischen Stuhl sitzen würde, und das ist nicht weit hergeholt.» Alonso berichtete wiederum, dass die Frequenz der Vibrationen dafür sorge, dass sich «ein leichtes Taubheitsgefühl in den Händen, Füßen oder wo auch immer» einstelle.

Mit seinen 44 Jahren wollte Alonso trotz des drohenden Desasters mit Aston Martin zum Saisonstart aber nicht von der schwierigsten Situation seiner Karriere sprechen. Der Asturier erinnerte an seine Anfänge bei Minardi, als er nicht sicher sein durfte, seine Karriere fortsetzen zu können. Mit zwei Weltmeistertiteln 2005 und 2006, 32 Rennsiegen und 428 Grand Prix - kein anderer Fahrer hat mehr Rennen absolviert - habe seine Formel-1-Reise schließlich seine «eigenen Erwartungen» übertroffen.

Dass nun ausgerechnet Honda Aston Martin so große Probleme bereitet, ist einigermaßen kurios. Denn als Alonso ab 2015 ein zweites Mal für McLaren fuhr, waren ebenfalls die Japaner Motorenpartner. Und damals lief die Zusammenarbeit so katastrophal, dass der Star-Pilot den Antrieb kaltblütig als «GP2-Motor» verhöhnte und das Klima vergiftete.

Alonsos ungewisse Zukunft

Nun wählt Alonso einen diplomatischen Ansatz, um den Partner nicht wieder bloßzustellen. «Wenn wir um den Sieg kämpfen würden, könnten wir auch drei Stunden in dem Auto aushalten», spielte er die Probleme herunter. «Ich habe zu 100 Prozent den Glauben, dass sie die Probleme lösen, weil sie das schon in der Vergangenheit geschafft haben», betonte er. Nach den problematischen drei Jahren mit McLaren und Alonso holte Honda im Anschluss mit Red Bull wieder die Weltmeisterschaft.

Der Spanier weiß aber nur zu gut, dass ihm die Zeit davon läuft. Sein Vertrag bei Aston Martin läuft nur noch bis zum Ende der Saison. Seine Zukunft ist ungewiss. Die Erfolgsaussichten ebenfalls. «Dieses Team wird die Weltmeisterschaft gewinnen - es ist nur eine Frage der Zeit», meinte Alonso und ergänzte: «Ich werde mit dem Team eine WM gewinnen - früher oder später.»



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