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06.02.2026 11:56

Endspurt: Deutsche Exporte steigen erstmals seit zwei Jahren

Positive Bilanz 2025

Wiesbaden (dpa) - Versöhnlicher Abschluss nach einem turbulenten Jahr: Dank eines starken Dezembers sind die deutschen Exporte 2025 erstmals seit zwei Jahren wieder gewachsen - trotz des Zollstreits mit US-Präsident Donald Trump. Im Dezember stiegen die Ausfuhren laut Statistischem Bundesamt um 4,0 Prozent zum Vormonat auf gut 133 Milliarden Euro und damit fast viermal so stark wie von Analysten erwartet. Die Erholung des für die deutsche Wirtschaft so wichtigen Außenhandels ist ein Lichtblick nach Jahren der Flaute.

Die guten Geschäfte zu Jahresende verhalfen den Exporteuren unerwartet zu einem Plus in der Jahresbilanz. Insgesamt gingen 2025 kalender- und saisonbereinigt deutsche Waren im Wert von 1.569,6 Milliarden Euro in alle Welt, ein Plus von 1,0 Prozent zum Vorjahr. Noch 2023 und 2024 waren die Ausfuhren geschrumpft. 

Die Exporteure hätten sich trotz massiver Belastungen – darunter US-Zölle, geopolitische Spannungen und fragile Lieferketten - widerstandsfähig gezeigt, sagte der Präsident des Exportverbands BGA, Dirk Jandura. Ein Einbruch sei ausgeblieben, «doch von einer echten Erholung kann keine Rede sein». International habe Deutschland Marktanteile verloren.

Dezember bringt Plus sogar im US-Geschäft

Noch im Januar hatten die Statistiker nach ersten Erkenntnissen einen leichten Rückgang der Exporte für 2025 geschätzt. Doch das Jahresende übertraf alle Erwartungen: Sogar die Exporte in die USA wuchsen im Dezember - und zwar um knapp neun Prozent auf 11,8 Milliarden Euro. 

Noch besser lief es im Geschäft mit China mit einem Plus von fast 11 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Zudem blieb Europa eine Stütze: Die Exporte mit den EU-Staaten legten um 3,1 Prozent zu auf gut 75 Milliarden Euro.

Zugleich wuchsen die Importe, sowohl im Dezember als auch im Gesamtjahr. Insgesamt stiegen die Einfuhren 2025 kräftig um 4,4 Prozent auf 1.366,9 Milliarden Euro. 

In der Außenhandelsbilanz stand damit ein Exportüberschuss von rund 200 Milliarden Euro - deutlich weniger als im Vorjahr (241 Mrd. Euro). Der Rückgang sei alarmierend, sagte BGA-Präsident Jandura: Er sprach von einem «klaren Warnsignal für die internationale Wettbewerbsfähigkeit». 

Lichtblick nach vielen Rückschlägen

Einer Studie der Bundesbank zufolge sind deutsche Unternehmen auf den Weltmärkten über Jahre zurückgefallen - darunter in wichtigen Branchen wie Maschinenbau, Elektro, Chemie- und Metallindustrie. Der Export ist traditionell eine Säule der deutschen Wirtschaft. Fast jeder vierte Arbeitsplatz hierzulande hängt laut Statistischem Bundesamt von ihm ab.

Der Anstieg der Ausfuhren zum Jahresende gibt etwas Hoffnung für eine Erholung der deutschen Wirtschaft, die 2025 nur knapp am dritten Jahr ohne Wachstum vorbeigeschrammt war. Zuletzt hatten die Industrieaufträge den vierten Monat in Folge angezogen. Jedoch ging die Industrieproduktion zum Jahresende überraschend zurück, auch wegen der Schwäche der Autobranche.

Zollstreit mit Trump und Druck aus China 

Die deutschen Exporteure haben angesichts des Zollstreits mit Trump ein turbulentes Jahr hinter sich. Im April hatte der US-Präsident ein globales Zollpaket vorgelegt. Später wurden die Zölle zeitweise ausgesetzt und die EU einigte sich mit Washington auf ein Abkommen, das allerdings stark erhöhte Zölle für Einfuhren aus Deutschland vorsieht. Zudem sorgen immer neue Zolldrohungen von Trump wie zuletzt im Grönland-Konflikt für Unsicherheit.

Dazu kommt harte Konkurrenz aus China für deutsche Firmen, etwa bei Elektroautos. Auf Jahressicht schrumpften die Exporte sowohl in die USA als auch nach China um mehr als neun Prozent. Lichtblick blieben die Ausfuhren in die EU, die um 3,4 Prozent wuchsen.

Die Nachfrage aus den europäischen Ländern habe das Jahr für den Außenhandel halbwegs gerettet, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. «Immerhin mehren sich die Anzeichen, dass der Trend bei den deutschen Exporten zu Jahresende wieder nach oben weist.»

Starker Euro trifft Exporteure

Allerdings bleiben die Hürden groß. Eine Belastung für Exporteure ist der starke Euro, der ihre Waren auf den Weltmärkten verteuert. Jüngst übersprang der Euro zeitweise die Marke von 1,20 US-Dollar - erstmals seit 2021. Die unberechenbare Politik von Trump hat das Vertrauen in den Dollar geschwächt, was umgekehrt den Euro aufwerten lässt. 

Für die exportorientierte Industrie werde die Luft dünner, meint Carsten Klude, Chefvolkswirt bei der Bank M.M.Warburg & CO. «Ein zu starker Euro in einem fragilen globalen Umfeld ist das Letzte, was die Konjunktur jetzt gebrauchen kann.»

Eine etwas bessere Stimmung unter Exporteuren zeigten zuletzt zwar die Ifo-Exporterwartungen. Demnach blickt etwa die Autobranche etwas zuversichtlicher auf das Auslandsgeschäft. Doch die Unsicherheit bleibe hoch, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. «Für das erste Quartal 2026 fehlen klare Signale für einen Aufwärtstrend.»



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