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20.01.2026 08:36

Neue Lockerheit: Handballer wollen bei EM durchstarten

Handball-EM

Herning (dpa) - Befreit von allen Jobängsten erklärte Alfred Gislason entspannt und locker die EM-Auferstehung der deutschen Handballer. «Ich habe an ihre Stärken appelliert und gesagt, sie sollen es genießen, bei diesem Turnier zusammen zu sein. Das haben sie gemacht», berichtete der Bundestrainer nach dem Einzug der DHB-Auswahl in die Hauptrunde durch das 34:32 gegen Spanien.

Der nervenstarke Auftritt des Olympia-Zweiten im Alles-oder-Nichts-Spiel sorgte bei dem 66 Jahre alten Isländer nicht nur für große Freude, sondern auch Zuversicht für den Kampf ums Halbfinale in der zweiten Turnierphase. «Wie phänomenal die Jungs gespielt haben, hat gezeigt, dass sie jede Mannschaft schlagen können. Das ist schön zu sehen», lobte Gislason.

Nach dem Kraftakt im Vorrundenfinale, in dem eine Niederlage das historische Aus bedeutet hätte, fieberten auch seine Schützlinge voller Elan den bevorstehenden schweren Aufgaben entgegen. Es geht nun gegen Weltmeister und Olympiasieger Dänemark, Europameister Frankreich, Co-Gastgeber Norwegen sowie wahrscheinlich den WM-Vierten Portugal.

DHB-Team will angreifen 

«Dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind, stimmt uns froh und optimistisch, dass wir in der Hauptrunde noch besser spielen und weiter unsere Träume leben können», sagte Torwart-Routinier Andreas Wolff. Und Spielmacher Juri Knorr ergänzte: «Es könnte eine schöne Geschichte werden.»

Rückraumspieler Miro Schluroff brachte die Gefühlslage im DHB-Team nach der Achterbahnfahrt in der Vorrunde auf den Punkt. «Dieser Sieg kann eine unfassbare Euphorie auslösen. Ich hoffe, dass wir eine kleine Hype-Welle starten können und ganz Deutschland in der Hauptrunde hinter uns steht», sagte der EM-Neuling.

Olympia-Held Renars Uscins, der immer besser in Fahrt kommt und mit acht Toren der Top-Werfer war, kann die nächsten Duelle kaum erwarten. «Wir werden richtig Bock haben auf die Spiele», sagte er und bekräftigte: «Das ist eine richtig geile Mannschaft. Wir sind froh, dass wir es uns selbst gezeigt haben, dass wir richtig gut spielen können.»

Knallharte Aussprache bringt Wende 

Die DHB-Auswahl geht mit 2:0 Punkten in die Hauptrunde - eine Ausgangsposition, die nach der Serbien-Pleite 48 Stunden zuvor kaum einer für möglich gehalten hatte. Vielmehr gab es danach «viele düstere Gedanken, was ein mögliches Ausscheiden betraf», berichtete Wolff. «Die Stimmung war sehr angespannt, teilweise geknickt.»

In vielen Gesprächen rauften sich die Spieler nach dem Tiefschlag zusammen und präsentierten sich gegen Spanien als verschworener Haufen. «Jeder hat sich eingebracht und seine Rolle akzeptiert. Es hat etwas gebracht, dass wir uns zusammengesetzt und Tacheles geredet haben», sagte Linksaußen Lukas Mertens.

Viel Lob für Gislason

Einen großen Anteil an der Wende hatte Gislason, der nach dem Serbien-Spiel viel Kritik hatte einstecken müssen. «Alfred hat ein paar Sachen angesprochen, die wichtig waren und uns auch abseits des Handballs ein gutes Gefühl gegeben haben. Er hat viele richtige Dinge gesagt», lobte Kapitän Johannes Golla. Und Knorr ergänzte: «Ich habe bei Alfred eine andere Lockerheit gespürt, die hat sich vielleicht auf uns übertragen.» 

Der Bundestrainer selbst wollte seine Rolle nicht hervorheben. «Es waren keine schönen Tage. Die Mannschaft hat sehr gelitten, aber wir haben versucht, positiv zu bleiben. Es gab kein Donnerwetter. Ich habe einfach nur versucht, zu helfen», berichtete Gislason.

Gegen Spanien traf der routinierte Trainer, um dessen Zukunft bei einem Ausscheiden mit Sicherheit eine Diskussion entbrannt wäre, instinktiv die richtigen Entscheidungen. Das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torwart klappte ebenso vorzüglich wie das temporeiche und variable Angriffsspiel. «Unter diesen Umständen diese Leistung abzurufen, bringt eine Mannschaft weiter und viel Selbstvertrauen», befand Gislason zufrieden.

«Nur noch Endspiele»

Über die vielen Negativschlagzeilen vor der Partie konnte der Bundestrainer kurz nach dem Abpfiff schon wieder schmunzeln. «Ich habe versucht, den Druck von der Mannschaft zu nehmen. Ihr habt mir alle dabei geholfen. Ich danke euch dafür», sagte Gislason mit einem süffisanten Augenzwinkern zu den Medienvertretern - als hätte es die nervenaufreibenden 48 Stunden zuvor nie gegeben. 

Auch die öffentliche Kritik von Knorr nach dem Serbien-Spiel hinterließ bei Gislason keine Spuren oder gar Ärger. «Wir haben danach geredet. Ich rechne ihm hoch an, dass er nichts persönlich nimmt. Er hat kein großes Ego, sondern stellt den Erfolg über alles», sagte Knorr. 

Um den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, brauche es in der Mannschaft «Leben, auch Frust und Freude, einfach viele Emotionen und Energie», appellierte der Spielmacher. Denn nicht nur der Bundestrainer weiß: «Jetzt kommen nur noch Endspiele.»



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