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05.01.2026 14:40

HINTERGRUND/Schlafender Riese: Venezuelas Rolle im Ölgeschäft

FRANKFURT/LONDON (dpa-AFX) - Der internationale Ölhandel hat kaum auf den Angriff des US-Militärs auf Venezuela reagiert. Obwohl die Zukunft des Landes mit den größten Rohölvorkommen der Welt ungewiss ist, bleiben die Märkte nach der Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro gelassen. Die Ölpreise zeigten sich wenig verändert, nachdem US-Präsident Donald Trump deutlich gemacht hatte, dass er Venezuelas Ölreserven für US-Konzerne öffnen will.

Venezuela hat enorme Ölreserven, verkauft aber wenig, warum eigentlich?

Venezuela verfügt über die weltweit größten nachgewiesenen Rohölreserven. Nach Angaben der US-amerikanischen Energiebehörde sind es etwa 303 Milliarden Barrel Rohöl (je 159 Liter), was rund 17 Prozent der globalen Reserven entspricht. Damit übertreffen die Vorkommen sogar die Reserven von Saudi-Arabien, dem führenden Land der Organisation erdölexportierender Länder (Opec).

Allerdings ist die Ölförderung in dem südamerikanischen Land in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Nach jüngsten Angaben der Internationalen Energieagentur mit Sitz in Paris hat die Fördermenge im November im Schnitt 0,86 Millionen Barrel pro Tag betragen. Zum Vergleich: Im selben Monat hat Saudi-Arabien täglich 9,93 Millionen Barrel gefördert.

Das südamerikanische Land leidet unter Sanktionen und Blockaden, vor allem durch die USA. Die wirtschaftliche Isolation und die Verstaatlichung von Unternehmen hat den Ölhandel stark eingeschränkt. Die Liefermengen machen derzeit weniger als ein Prozent der globalen Versorgung aus. Die US-Sanktionen gegen den staatlichen Produzenten Petróleos de Venezuela führten dazu, dass viele Länder Öllieferungen aus Venezuela meiden.

Wer kauft Rohöl aus Venezuela?

China ist der wichtigste Kunde für Rohöl aus dem südamerikanischen Land. Allerdings halten sich die Liefermengen in Grenzen. Rohöl aus Venezuela machte im vergangenen Jahr nur etwa vier Prozent der chinesischen Ölimporte aus. Zudem liefert der Karibikstaat hauptsächlich schwefelhaltiges Rohöl, das nur mit hohem Aufwand verarbeitet werden kann und etwa zur Bitumenherstellung verwendet wird. Bitumen ist ein wichtiger Rohstoff für das Bauwesen und den Straßenbau. Das Öl wird zudem stark rabattiert angeboten, was es bei kleineren und privaten Raffinerien in China beliebt macht.

Während die Zukunft Venezuelas und seines Ölsektors nach dem US-Angriff ungewiss ist, können die Abnehmer in China vorerst entspannt die weitere Entwicklung verfolgen. Nach Einschätzung von Marktbobachtern hat China einen großen Vorrat an sanktioniertem Rohöl in schwimmenden Lagern gehortet, die eine Versorgung in den kommenden Monaten absichern dürfte. Fast 82 Millionen Barrel befinden sich derzeit auf Tankern in den Gewässern vor China und Malaysia, so das Datenanalyseunternehmen Kpler. Demnach stammt mehr als ein Viertel davon aus Venezuela, der Rest aus dem Iran.

Wie reagiert die Opec auf den Angriff auf das Mitgliedsland?

Venezuela zählt zu den Gründungsmitgliedern des Ölkartells Opec, zu der auch der Iran, Kuwait und Saudi-Arabien gehören. Nach dem US-Angriff auf Venezuela hat der erweiterte Ölverbund Opec+, in dem auch andere wichtige Förderländer wie Russland organisiert sind, beschlossen, die Ölproduktion stabil zu halten. Delegierte der Opec+ gaben an, dass Venezuela während der zehnminütigen Videokonferenz am Sonntag nicht weiter thematisiert wurde. Es sei verfrüht, die weitere Entwicklung abzuschätzen, hieß.

Wie werden sich die Ölexporte aus Venezuela weiter entwickeln?

Der Ölhandel zwischen Venezuela und dem wichtigen Kunden China scheint nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am Wochenende gefährdet. US-Präsident Donald Trump erklärte, die USA wollen das Land regieren und amerikanische Unternehmen würden die Ölindustrie wiederaufbauen. Demnach soll eine "große Menge" an Rohöl aus Venezuela an internationale Abnehmer verkauft werden. China hat Trump jedoch nicht namentlich erwähnt.

Der US-Präsident machte auf einer Pressekonferenz allerdings auch deutlich, dass die Sanktionen gegen die venezolanische Ölindustrie bestehen bleiben. Es ist derzeit unklar, ob China venezolanische Öllieferungen weiter kaufen kann, da es Probleme mit der Bezahlung und den Eigentumsverhältnissen des Rohöls gibt. Trumps Versprechen, dass US-Unternehmen die Ölindustrie des Landes wiederaufbauen würden, lässt jedoch bezweifeln, ob chinesische Firmen überhaupt eine Rolle spielen werden./jkr/hgo/DP/mis

--- von Jürgen Krämder, dpa-AFX ---



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