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29.06.2022 19:23

ROUNDUP 2: Insolventer Airport Hahn verkauft - Investoren kündigen neue Jobs an

(neu: Weitere Details.)

HAHN/FRANKFURT (dpa-AFX) - Der insolvente Hunsrück-Flughafen Hahn ist verkauft worden. Die Swift Conjoy GmbH habe ihn für eine ungenannte Summe erworben, teilte ein Sprecher des Insolvenzverwalters mit. Das in Frankfurt ansässige Unternehmen führe den Flugbetrieb fort und übernehme alle Mitarbeiter. Nach früheren Angaben sind es ungefähr 430 Beschäftigte.

Der Vollzug des am Mittwoch notariell beurkundeten Vertrages steht laut dem Sprecher noch unter Bedingungen. Die Vertragsparteien gingen davon aus, dass diese zeitnah erfüllt würden. Über die Details des Vertrages sei Stillschweigen vereinbart worden.

Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner erklärte, damit sei das vorherige Bieterverfahren erfolgreich abgeschlossen. "Der Flugbetrieb wird bis zum Eintritt der vertraglichen Bedingungen im Rahmen des Insolvenzverfahrens und dann von der Erwerberin fortgeführt. Aufgrund der sehr guten Nachfrage und der erfolgreichen Umsetzung unterschiedlicher Maßnahmen arbeitet der Betrieb wieder wirtschaftlich stabil in Passagierverkehr und Luftfracht", betonte der Frankfurter Jurist.

Tobias Steyer und Martin Mansell, Geschäftsführer der Swift Conjoy GmbH, streben nach eigenen Angaben an, "den Passagier- und Frachtflugbetrieb am Hahn fortzuführen und umfangreich auszubauen. Dazu gehören auch Investitionen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Region."

Die Gesellschaft Conjoy Investment Partners war laut dem Sprecher des Insolvenzverwalters erst 2021 von englischen und australischen Unternehmern aus den Branchen Luftfahrt, Flughäfen und Reisen gegründet worden. Im Zusammenschluss mit der Frankfurter Swift Holding in der Immobilien-, Infrastruktur- und Finanzierungsbranche sei ein gemeinsames Angebot für das gesamte Flughafengelände abgegeben worden.

Der Airport mitten im Hunsrück, der aus Marketinggründen Flughafen Frankfurt-Hahn heißt, hatte im Oktober 2021 in der Corona-Pandemie Insolvenz angemeldet. Mittlerweile heben hier wieder mehr Flugzeuge ab. Der einstige US-Militärflughafen mit einer seltenen Nachtfluggenehmigung im eher strukturschwachen Hunsrück sucht laut Internetseite Personal für etliche Bereiche vom Bodenverkehrsdienst über die eigene Feuerwehr bis hin zum Duty-free-Shop.

Dem Flughafenverband ADV zufolge ging der Hahn-Frachtumschlag von Januar bis Mai 2022 gemessen am Vorjahreszeitraum noch zurück. Die Zahl der Passagiere schoss dagegen nach der Aufhebung von Corona-Beschränkungen extrem in die Höhe, lag aber noch merklich unter dem Wert der ersten fünf Monate 2019 vor der Pandemie.

Vor einem guten halben Jahr hatte Insolvenzverwalter Plathner eine Überarbeitung der Internetseite des Flughafens veranlasst. Zuvor hatte sich dort zeitweise gar kein Flugplan mehr gefunden, nur der Hinweis, direkt auf die Tafeln am Airport zu schauen. Anschließend war dies wieder digital vom heimischen Sofa aus möglich.

Plathner hatte sich Ende Mai nicht zu den Hahn-Mitarbeitern geäußert, die als Beschuldigte bei den schon länger laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz geführt werden. Dabei geht es um den Verdacht auf bandenmäßige Untreue, Subventionsbetrug und Insolvenzverschleppung. Die Staatsanwaltschaft hatte nach eigener Auskunft Verfahren gegen "fünf Verantwortliche von sechs am Hahn tätigen Firmen und einen Geschäftspartner" eingeleitet. Die Dauer der Ermittlungen sei weiter unklar, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Das bei zwei Razzien sichergestellte Beweismaterial sei umfangreich.

Der inzwischen ebenfalls schwer angeschlagene chinesische Konzern HNA hatte 2017 für rund 15 Millionen Euro 82,5 Prozent der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH (FFHG) vom Land Rheinland-Pfalz erworben. Hessen hielt weiter 17,5 Prozent an der bisherigen Betreibergesellschaft, die in Insolvenz ging.

2016 hatte sich die Landesregierung Rheinland-Pfalz von der mutmaßlich betrügerischen chinesischen Firma Shanghai Yiqian Trading bei einem ersten Verkaufsversuch der 82,5 Prozent an der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH über den Tisch ziehen lassen. Erst im letzten Moment zog die Regierung die Reißleine und rettete so viel Steuergeld./jaa/DP/men



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