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22.04.2026 13:43

ROUNDUP/Kasachstan: Moskau könnte Öltransport nach Schwedt stoppen

ASTANA (dpa-AFX) - Kasachstan hat unter Verweis auf inoffizielle Quellen bestätigt, dass der Transport von Öl aus Kasachstan über Russland und die Druschba-Pipeline nach Deutschland ab Mai in Gefahr ist. Eine offizielle Erklärung Russlands gebe es nicht, sagte der Energieminister des zentralasiatischen Landes, Jerlan Akkenschenow am Rande eines Umweltforums in der Hauptstadt Astana. "Aber nach inoffiziellen Quellen wissen wir, dass das wahr ist." Russland habe den Transit von Öl aus Kasachstan über die Pipeline Druschba und weiter zum Werk Schwedt in Brandenburg mit Null eingeplant.

Inoffiziell habe Russland dies damit erklärt, dass die technischen Möglichkeiten für den Transport von Öl aus Kasachstan nicht gegeben seien. Akkenschenow mutmaßte, dass das mit jüngsten Angriffen auf die russische Infrastruktur zusammenhänge. Er verwies auf Gespräche mit "Kollegen", wonach der Transit kasachischen Öls wieder aufgenommen werde, sobald die Frage der technischen Machbarkeit geklärt sei. Kasachstan plane nicht, die Ölförderung zu verringern. Es gebe Möglichkeit, diese Menge über andere Routen umzuverteilen.

Netzagentur: Versorgungssicherheit nicht gefährdet

Nach Angaben der Bundesnetzagentur bleibt die Versorgung bei einem möglichen Transitstopp gesichert. "Durch das Ausbleiben der kasachischen Öllieferungen ist die Versorgungssicherheit mit Mineralölprodukten in Deutschland nicht gefährdet, auch wenn die PCK Schwedt mit einer geringeren Kapazitätsauslastung fahren muss", teilte die Behörde mit. "Nicht ausgeschlossen werden können aber regionale Preiseffekte."

Rosneft Deutschland habe die Bundesnetzagentur als Treuhänderin darüber informiert, dass auf Anweisung des russischen Energieministeriums ab dem 1. Mai 2026 keine Durchleitung von kasachischem Rohöl durch die Druschba-Pipeline über Territorium der Russischen Föderation hin zur PCK-Raffinerie erfolgen dürfe. Das Unternehmen prüfe derzeit die Auswirkungen und werde sich einer etwaigen neuen Lage anpassen. Vorhandene Spielräume würden ausgenutzt, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten.

Die Ölraffinerie PCK im Nordosten Brandenburgs bezieht kein russisches Öl mehr, erhält aber über die Druschba-Pipeline, die durch Russland verläuft, Öl aus Kasachstan. Dieses Öl ist wichtig, um die Auslastung der Raffinerie hochzuhalten. Zudem kommt Rohöl über eine Pipeline von Rostock nach Schwedt.

Deutsche Rosneft-Tochter prüft mögliche Auswirkungen

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat die unter Treuhand stehende deutsche Tochter der russischen Rosneft eine Benachrichtigung über ihre kasachischen Partner bekommen, dass es ab Mai Schwierigkeiten beim Transport von Öl aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline geben soll.

Ein Sprecher von Rosneft Deutschland hatte am Dienstag gesagt: "Wir müssen prüfen, wie wir gegebenenfalls Ersatzlieferungen sicherstellen können, damit die PCK weiterhin voll produzieren kann." Es sei keine unlösbare Situation für die PCK eingetreten. "Wir sind dabei, die Auswirkungen genau zu prüfen", so der Sprecher von Rosneft Deutschland, Burkhard Woelki.

Der Kreml kommentierte den Vorgang zunächst nicht. Er wisse nichts davon, dazu müsse sich die Presse an die betroffenen Konzerne wenden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Ukraine verkündet Reparatur von anderem Druschba-Abschnitt

Die Berichte über einen möglichen Transitstopp des Öls aus Kasachstan kommen, während sich in einem Konflikt um einen anderen Abschnitt der Erdölleitung eine Lösung abzeichnet: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Vorabend die Reparatur der Druschba-Pipeline auf dem Gebiet seines Landes verkündet.

Ende Januar hatte eine russische Drohne im westukrainischen Brody nach Angaben aus Kiew Anlagen der Pipeline beschädigt. Infolgedessen wurde der Transit russischen Erdöls über die Ukraine in die Slowakei und Ungarn unterbrochen. Die beiden Nachbarstaaten der Ukraine bezweifelten die Darstellung von Kiew zu den Schäden an der Erdölleitung und forderten eine unabhängige Inspektion. Budapest blockierte die Zahlung der ersten Tranche des im Dezember zugesagten EU-Kredits von insgesamt 90 Milliarden Euro./ksr/DP/nas



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