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20.04.2026 17:53

OTS: Capgemini / Reindustrialisierung tritt in Europa und den USA in ...

    Reindustrialisierung tritt in Europa und den USA in selektivere,
strategischere Phase ein
Berlin (ots) -

- Reindustrialisierung[1] wird zum Mainstream: 73 Prozent der großen
  europäischen und US-amerikanischen Unternehmen verfügen mittlerweile über eine
  Strategie oder arbeiten an einer solchen - ein Anstieg gegenüber 59 Prozent im
  Jahr 2024.
- Geplante Investitionen sollen innerhalb der nächsten drei Jahren bei knapp 2,5
  Billionen US-Dollar liegen; im Jahr 2025 lag der Wert noch bei 4,7 Billionen
  US-Dollar, was auf eine Verlagerung hin zu selektiveren, kapitaleffizienteren
  Modellen hindeutet.
- Langfristige strategische Vorteile überwiegen kurzfristige Einsparungen: 86
  Prozent der Unternehmen legen bei ihren Entscheidungen den Schwerpunkt auf
  Marktzugang und die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette.
- KI wird zu einem zentralen Faktor für die Umsetzung der Reindustrialisierung;
  87 Prozent der Unternehmen planen in KI und andere fortschrittliche
  Technologien zu investieren, um die Kosten in Verbindung mit der
  Reindustrialisierung zu reduzieren.

Die Reindustrialisierung ist in eine reifere, diszipliniertere Phase
eingetreten, da Unternehmen eine stärkere Kontrolle über Abhängigkeiten
anstreben und gleichzeitig wirtschaftliche Tragfähigkeit und
Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten wollen. Laut Ausgabe 2026[2] des Capgemini
Research Institute-Berichts "The resurgence of manufacturing:
Reindustrialization strategies in Europe and the US", verfügen mittlerweile fast
drei Viertel der großen europäischen und US-amerikanischen Unternehmen über eine
entsprechende Strategie oder sind dabei, eine solche zu entwickeln. Dabei wird
eine klare Verlagerung hin zu resilienten und kontrollorientierten
Betriebsmodellen widergespiegelt. Gleichzeitig sind die geplanten
Reindustrialisierungsinvestitionen für die nächsten drei Jahre stark
zurückgegangen, was eher auf einen pragmatischeren und selektiveren Ansatz bei
der Kapitalallokation hindeutet als auf geringere Ambitionen. Unternehmen passen
nun ihre Produktions- und Lieferkettenpräsenz an, um kritische
Abhängigkeitsrisiken zu begrenzen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit
durch hybride Strategien im Inland, im Nearshore- und Friendshore-Bereich zu
erhalten, die zunehmend durch Automatisierung und KI ermöglicht werden.

Die Auswirkungen der Reindustrialisierung sind nicht in allen Sektoren gleich.
Am ausgeprägtesten ist der Wandel in produktionsintensiven und strategisch
kritischen Branchen wie der Automobilindustrie, Elektronik, der
Halbleiterindustrie sowie der Luft- und Raumfahrt und der
Verteidigungsindustrie, wo Abhängigkeitsrisiken, Risiken in der Lieferkette und
Überlegungen zum Marktzugang am akutesten sind. Diese Branchen treiben den
Übergang von einer groß angelegten Expansion hin zu selektiveren,
technologiegestützten Industriemodellen voran.

"Angesichts wachsender geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten tritt
die Reindustrialisierung in eine neue, reifere Phase ein - klar ausgerichtet auf
Resilienz, Souveränität und langfristige Wettbewerbsfähigkeit" , sagt Dr.
Michael Schulte, CEO von Capgemini Engineering und Mitglied des Group Executive
Boards von Capgemini. "Reindustrialisierung bedeutet heute, regional ausgewogene
Ökosysteme aufzubauen, die kritische Abhängigkeiten reduzieren. Dies geht einher
mit einem pragmatischen Investitionsansatz, der flexiblere und
kapitaleffizientere Modelle fördert. Die Zielrichtung ist eindeutig - der Erfolg
wird jedoch von der Umsetzung abhängen: von Entscheidungen mit Fokus auf
langfristigen Erfolg sowie vom konsequenten Aufbau digitaler und personeller
Grundlagen für nachhaltige industrielle Stärke."

Mit zunehmender Reife der Strategien zeichnen sich vielfältige regionale Wege ab

Die Umfrage von 2026 zeigt, dass Unternehmen zunehmend vielfältige, hybride
Reindustrialisierungsansätze bevorzugen. Sie sind auf regionale Gegebenheiten
zugeschnitten, anstatt sich auf ein einziges Modell zu konzentrieren. Dies zeigt
sich insbesondere an der Bedeutung von Friendshoring in Kontinentaleuropa. Es
wird von 64 Prozent der Unternehmen genannt wird und markiert eine klare
Verlagerung hin zu Fertigungs- und Lieferketten bei Verbündeten zur Steuerung
strategischer Abhängigkeiten.

Reshoring-Aktivitäten in den USA nehmen zu: Fast die Hälfte (48 %) der
Unternehmen investiert, gegenüber 30 Prozent im Jahr 2025, während weiterhin
beachtliche 42 Prozent in Nearshoring investieren. Innerhalb Europas geht das
Nearshoring gegenüber dem Niveau von 2025 zurück (von 55 % auf 39 %), während
das Reshoring moderater zunimmt (von 34 % auf 42 %), was strukturellen
Kostendruck und regulatorische Komplexität widerspiegelt.

Die Unternehmen stellen gemäß Studienergebnissen ihr Engagement in China neu
auf, gleichzeitig verstärken sie ihre Präsenz in Indien, dicht gefolgt von
Vietnam, Mexiko und Kanada. Das unterstreicht eine umfassendere Neugestaltung
globaler Lieferketten rund um diversifizierte Ökosysteme unterstreicht. Auch die
USA ziehen vermehrt ausländische Investitionen an, wobei eine große Mehrheit
(fast 85 %) der in der EU ansässigen Unternehmen in die US-Fertigung investiert,
um vom direkten Marktzugang zu profitieren und die Handelspolitik zu meistern.
Gleichzeitig planen rund zwei Drittel der Unternehmen (64 %), ihre Investitionen
in China in den nächsten drei Jahren beizubehalten oder zu erhöhen, was eine
pragmatische Neuausrichtung der Betriebsabläufe und Lieferketten über Branchen
und Märkte hinweg unterstreicht.

Selektive Investitionen und langfristiger Wert haben Vorrang vor
skalierungsorientierter Expansion

Unternehmen in unkritischen Branchen bevorzugen zunehmend flexiblere
Alternativen, um den Zugang zu industriellen Kapazitäten vom Besitz von Anlagen
und Greenfield-Projekten zu entkoppeln. Sie wenden sich zunehmend Modellen wie
Multi-Produkt-Fertigungsanlagen, Partnerschaften in der Auftragsfertigung und
gemeinsamer Infrastruktur zu, um strategische Kontrolle zu bewahren und
gleichzeitig die Kapitalintensität zu begrenzen.

Die Studie stellt ferner fest, dass Entscheidungen zur Reindustrialisierung aus
einer ganzheitlicheren wirtschaftlichen Perspektive bewertet werden. Eine klare
Mehrheit der Unternehmen gibt an, dass die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette
Entscheidungen zur Reindustrialisierung rechtfertigt, verbunden mit hohen
Erwartungen an das Umsatzwachstum in den nächsten drei Jahren. Fast acht von
zehn Unternehmen gehen davon aus, dass Skaleneffekte die Stückkosten im Laufe
der Zeit senken werden, was eine Verlagerung hin zu langfristigem strategischem
Wert gegenüber kurzfristigen Einsparungen unterstreicht.

Technologie, insbesondere KI, wirkt als Katalysator

Technologie spielt eine immer größere Rolle bei der nachhaltigen Umsetzung einer
effektiven Reindustrialisierung. Die Studie stellt fest, dass eine große
Mehrheit (87 %) der Unternehmen plant, in fortschrittliche
Fertigungstechnologien zu investieren, insbesondere in KI, Automatisierung und
digitale Zwillinge. Höhere Produktionskosten in der Nähe der Endmärkte sollen so
ausgeglichen werden.

KI, einschließlich generativer und agentischer KI, wird als unerlässlich
angesehen, um die Effizienz zu steigern. Anwendungsfälle, die für die Umsetzung
entscheidend sind, konzentrieren sich auf Bereiche wie Produktionsplanung und
-optimierung, Risikomodellierung in der Lieferkette sowie Standortauswahl, wo KI
eine schnellere und fundiertere industrielle Entscheidungsfindung direkt
unterstützt.

Der Fachkräftemangel bleibt jedoch für eine große Mehrheit ein häufiges
Hindernis bei der Ausweitung der Reindustrialisierung. Dies gilt insbesondere
bei Kompetenzen in den Bereichen fortschrittliche Fertigungstechnik,
Automatisierung, KI und digitale Technologien, was die Notwendigkeit
unterstreicht, den Technologieeinsatz mit der Transformation der Belegschaft in
Einklang zu bringen.

Methodik

Vom 2. Januar bis zum 3. Februar 2026 befragte das Capgemini Research Institute
1.208 Führungskräfte in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 1 Milliarde
US-Dollar (bzw. 500 Millionen US-Dollar im Verteidigungssektor) in den USA,
Großbritannien und Kontinentaleuropa (Frankreich, Deutschland, Italien, den
Niederlanden, den nordischen Ländern und Spanien). Die befragten Unternehmen
sind in 13 Schlüsselbranchen tätig. Die befragten Führungskräfte sind auf
Direktorenebene tätig und arbeiten in verschiedenen geschäfts-, technologie- und
fertigungsbezogenen Funktionen. Zusätzlich zur Umfrage befragte das Capgemini
Research Institute auch Führungskräfte und Experten aus den Bereichen
Lieferkette und Fertigung in großen globalen Unternehmen.

Die Ergebnisse wurden durch umfangreiche Sekundärrecherchen validiert, wobei
Informationen bis zum 26. März 2026 einbezogen wurden; spätere Änderungen sind
möglicherweise nicht berücksichtigt.

Studienband zum Donwload: https://ots.de/XyuqET

Definitionen der im Bericht verwendeten Schlüsselbegriffe:

- Friendshoring: Verlagerung eines Teils der
  Fertigungs-/Produktions-/Lieferantenbasis/Dienstleister in Länder, die
  geopolitische oder Handelspartner des Heimatlandes des Unternehmens sind
- Nearshoring: Verlagerung eines Teils der
  Fertigungs-/Produktions-/Lieferantenbasis/Dienstleister in ein nahegelegenes
  oder benachbartes Land.
- Reshoring: Rückverlagerung eines Teils der
  Fertigungs-/Produktions-/Lieferantenbasis/Dienstleister zurück in den
  Binnenmarkt des Landes mit dem Unternehmenshauptsitz.

Über Capgemini

Capgemini ist ein globaler Partner für die KI-gestützte Geschäfts- sowie
Technologietransformation. Das Unternehmen schafft messbaren Mehrwert für seine
Kunden, indem es die Zukunft von Organisationen gestaltet und im Zusammenspiel
von KI, Technologie sowie dem Mensch Realität werden lässt. Seit fast 60 Jahren
steht Capgemini für Verantwortung wie auch Vielfalt und beschäftigt über 420.000
Mitarbeitende in mehr als 50 Ländern. Das End-to-End-Leistungsspektrum gründet
auf einer umfangreichen Branchenexpertise, einem starken Partner-Ökosystem sowie
Kompetenzen in den Bereichen Strategie, Technologie, Design, Engineering und
Operations. Die Gruppe erzielte 2025 einen weltweiten Umsatz von 22,5 Milliarden
Euro.

Make it real | http://www.capgemini.com/de

[1] Reindustrialisierung gemäß der Definition im Bericht: Neugestaltung globaler
Lieferketten und Fertigungskapazitäten, oft mit dem Ziel, diese näher an die
heimischen Märkte heranzuführen.

[2] Die weltweite Umfrage wurde zwischen Januar und Februar 2026 durchgeführt.
Die Ergebnisse wurden durch umfangreiche Sekundärrecherchen validiert, wobei
Informationen bis zum 26. März 2026 einbezogen wurden; spätere Änderungen sind
möglicherweise nicht berücksichtigt.

Pressekontakt:

Achim Schreiber
Tel.: 069 9515-1281
E-Mail: mailto:achim.schreiber@capgemini.com

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/16952/6259220
OTS:               Capgemini


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