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12.03.2026 06:09

ZDF-Intendant Himmler vor Wiederwahl - und mit einigen Baustellen

MAINZ (dpa-AFX) - Bleibt Norbert Himmler für fünf weitere Jahre an der Spitze des ZDF? Eigentlich könnte der amtierende Intendant der Sitzung des Fernsehrats, der darüber entscheiden wird, am Freitag in Mainz gelassen entgegenblicken. Denn er stellt sich ohne Gegenkandidatin oder -kandidat zur Wiederwahl. Das ZDF ist unter seiner Führung auch 2025 TV-Marktführer in Deutschland gewesen - seine aktuelle Amtszeit endet erst im März 2027.

Doch bevor die 60 Fernsehratsmitglieder zur Wahl schreiten, muss sich Himmler einem sehr unangenehmen Thema stellen. Auf der Tagesordnung steht vorher: "heute journal" vom 15. Februar 2026. Damit ist der Skandal um die Verwendung von KI-Bildern in einem Beitrag der ansonsten hochseriösen Nachrichtensendung gemeint. Aber es gibt noch weitere Baustellen für Himmler als Chef einer der größten Sendeanstalten in Europa mit rund 6.000 Beschäftigten.

Glaubwürdigkeit und journalistische Standards

Die vielleicht größte Baustelle aktuell für Himmler: Ein Beitrag im "heute journal" thematisierte im Februar die Einsätze der US-Migrationsbehörde ICE. Darin waren ohne ausreichende Kennzeichnung KI-generierte Bilder eingebaut, was gegen die eigenen Richtlinien verstieß. Das ZDF brauchte etwas Zeit für eine Richtigstellung und entschuldigte sich auch erst später, eine New York-Korrespondentin wurde abberufen.

"In diesem Fall hat es der Sender wahrscheinlich wirklich schlimmer gemacht, weil es auch den Eindruck erweckt hat in der Richtigstellung, als sei da im Grunde nur so ein bisschen was schiefgelaufen, und man hätte das durchaus so machen können", sagte der Journalistik-Professor Tanjev Schultz von der Uni Mainz Anfang März in einem Podcast BR24 Medien. "Das sah nicht gut aus." Er sprach von einer nicht sehr professionellen Reaktion des ZDF auf den Fehler, da ziemlich schnell erkennbar gewesen sei, dass etwas schiefgelaufen sei.

Himmler selbst hielt sich erst aus der Debatte heraus, äußerte sich dann aber doch: "Wir dürfen nur Bilder verwenden, deren Herkunft wir zweifelsfrei benennen können. Und wenn wir es nicht genau wissen, müssen wir das sagen, dann müssen wir das kennzeichnen oder am allerbesten: bleibenlassen."

ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten kündigte unter anderem zusätzliche, verpflichtende Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Außerdem soll ein Maßnahmenkatalog erarbeitet werden, um die selbstgesetzten hohen journalistischen Standards einzuhalten. Himmler wird das sicher im Blick behalten - es geht um nicht mehr oder weniger als die journalistische Glaubwürdigkeit des Senders.

Umbau des ZDF geht weiter

Der Rundfunkstaatsvertrag gibt eine klare Richtung vor - die öffentlich-rechtlichen Sender sollen ihre Angebote besser bündeln. Erst Anfang März gaben ARD und ZDF deshalb bekannt, dass sie sich künftig auf nur noch drei lineare Sender gemeinsam konzentrieren werden: Phoenix als Informationsangebot, Neo als Programm für junge Erwachsene sowie Info als Dokumentationskanal. Die Strukturen der öffentlich-rechtlichen Sender, die mit jährlich rund neun Milliarden Euro aus der Rundfunkgebühr finanziert werden, dürften weiter kritisch beäugt werden.

Finanzierungs-Klage in Karlsruhe

Noch nicht entschieden ist der Streit um die künftige Höhe des Rundfunkbeitrags - alle Augen sind auf das Bundesverfassungsgericht gerichtet. ARD und ZDF klagen dort, weil die Bundesländer nicht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) gefolgt sind, die eine Erhöhung um 58 Cent auf 18,94 Euro monatlich für die Beitragsperiode 2025 bis 2028 empfahl.

Vom Ausgang des Verfahrens hängt aber auch ab, wie das ZDF künftig wirtschaften kann. "Die Unabhängigkeit unserer Berichterstattung steht und fällt mit der Unabhängigkeit unserer Finanzierung", sagte Intendant Himmler damals. Zuletzt empfahl die zuständige Finanzkommission KEF ab 2027 einen Beitrag von 18,64 Euro - damit liegt eine aktualisierte Berechnungsgrundlage für die Politik sowie für das Gericht vor.

Digitalisierung und Streaming

Auch das ZDF-Programmangebot muss sich verändern. Die Verantwortlichen auf dem Mainzer Lerchenberg rechnen damit, dass schon in wenigen Jahren mehr Menschen Inhalte des ZDF über die Mediathek streamen als über das klassische Fernsehen schauen. Das ZDF wird deshalb intern weiter umbauen müssen, um sich darauf einzustellen.

Viele junge Menschen haben schon jetzt kaum noch Berührungspunkte mit dem klassischen Fernsehen. Auch darauf muss das ZDF reagieren. "Wir müssen auf Plattformen wie Tiktok oder Instagram präsent sein, auch wenn uns die Intransparenz und Einseitigkeit der Algorithmen missfällt", sagte Himmler Ende 2025 in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Mit der ARD will das ZDF außerdem die Kooperation bei den Mediatheken verstärken und so das Streaming-Netzwerk ausbauen. Noch mehr Inhalte sollen wechselseitig abrufbar sein.

Legitimation und Akzeptanz

Wenn in den vergangenen Jahren über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk diskutiert wurde, ging es meist um ARD-Anstalten. Das dürfte dem ZDF-Intendanten Himmler nicht unrecht gewesen sein, auch wenn er mit ihnen im selben Boot sitzt. Doch auch er weiß, dass die Kritik an Kosten, Umfang und Programmauftrag sowie eine sinkende Akzeptanz insgesamt bedrohliche Entwicklungen sind. Das ZDF will daher unter anderem Transparenz und Dialog stärken - und noch mehr den Austausch mit dem Publikum ausbauen - dazu zählen etwa Beteiligungsformate wie die Dialogplattform ZDFmitreden./hus/DP/zb



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