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09.01.2026 12:42

ROUNDUP 3: Moskau setzt bei Angriff auf Westukraine Mittelstreckenrakete ein

(neu: Selenskyj)

KIEW/MOSKAU (dpa-AFX) - Nach Angaben aus Moskau hat Russland bei dem Angriff auf die Westukraine die gefürchtete neue Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt. Das teilte das russische Verteidigungsministerium mit. "Die russischen Streitkräfte haben einen massiven Schlag mit boden- und seebasierten Hochpräzisionswaffen großer Reichweite gegen kritische Objekte auf dem Gebiet der Ukraine geführt, darunter auch mit dem Mittelstreckenkomplex Oreschnik und Drohnen", heißt es in der Mitteilung der Behörde.

Nach Angaben des Ministeriums ist der Einsatz eine Vergeltungsaktion für die angebliche Attacke auf die Residenz von Kremlchef Wladimir Putin im nordrussischen Waldai kurz vor dem Jahreswechsel. Der Kreml hatte damals von einem versuchten Terroranschlag gesprochen, auch US-Präsident Donald Trump hatte - von Putin per Telefon informiert - einen solchen Schlag kritisiert. Die Ukraine ihrerseits hat dementiert, dass sie überhaupt einen Angriff auf die Residenz lanciert hat. Experten bezweifeln die Glaubwürdigkeit der von Russland vorgelegten Informationen.

Selenskyj fordert internationale Reaktion

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte nach den schweren russischen Angriffen in der Nacht eine internationale Reaktion. Russland habe bei der Attacke 242 Drohnen, 13 ballistische Raketen - darunter die Mittelstreckenrakete Oreschnik - und 22 Marschflugkörper eingesetzt, schrieb Selenskyj bei Telegram. Die Angriffe hätten sich gegen zivile Infrastruktur und Wohnhäuser gerichtet. Bisherigen Informationen zufolge gebe es vier Todesopfer und Dutzende Verletzte. "Es ist eine klare Reaktion der Welt nötig, insbesondere der USA, auf die Russland tatsächlich achtet", schrieb er.

Moskau hat in der Vergangenheit stets das Recht für sich in Anspruch genommen, resonante Angriffe gegen eigene Objekte mit schweren Attacken auf die Ukraine zu beantworten.

Zweite Attacke mit Oreschnik

So ist der Oreschnik-Angriff auf die Westukraine bereits der zweite Einsatz einer Rakete dieses Typs auf die Ukraine. Der erste erfolgte im November 2024 auf die Großstadt Dnipro im Südosten des Landes. Damals begründete Putin den Einsatz als Vergeltung auf die Nutzung weitreichender westlicher Raketen durch Kiew gegen Militärobjekte im russischen Hinterland.

Beim ersten Einsatz war die Oreschnik ohne Gefechtssprengköpfe. Die Schäden wurden allein durch die hohe Geschwindigkeit der Rakete selbst erreicht. Die Oreschnik befand sich damals noch in der Testphase. Sie gilt als neueste russische Waffenentwicklung und kann sowohl konventionelle als auch atomare Sprengköpfe tragen. Ihre extrem hohe Geschwindigkeit von bis zu 12.000 km/h und ihre Reichweite von bis zu 5.000 Kilometer machen sie zu einer potenziellen Gefahr für den gesamten europäischen Kontinent.

Russland: Drohnenproduktionen und Energieanlagen getroffen

Dieses Mal hingegen war die Rakete mit konventionellen Sprengköpfen geladen. Nach Angaben des Militärs war der Einsatz jetzt erfolgreich. Das Ziel des Schlags sei erreicht worden. "Es wurden Objekte zur Produktion von Drohnen getroffen, die bei der terroristischen Attacke (auf die Präsidentenresidenz) eingesetzt wurden, und Energieinfrastruktur, die die Arbeit des Rüstungskomplexes der Ukraine ermöglicht", heißt es. Moskau werde auch künftig auf Terrorangriffe antworten, drohte das Militär weitere mögliche Schläge mit Oreschnik an.

Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew hat den Einsatz der Oreschnik gegen die Ukraine derweil als Beruhigungsmittel gerechtfertigt. "Gefährliche Psychopathen brauchen eine Zwangsjacke oder eine Rettungsspritze mit Haloperidol", schrieb der als Vizechef des nationalen Sicherheitsrats in Moskau immer noch einflussreiche Politiker. So sei es in der vergangenen Nacht im Westen der Ukraine passiert. Haloperidol ist ein Medikament zur Behandlung von Schizophrenie.

Russland beschießt dabei seit Kriegsbeginn systematisch Anlagen der Energieversorgung des Nachbarlands. Die Infrastruktur der Ukraine ist inzwischen so geschwächt, dass die Bevölkerung oft viele Stunden am Tag in Dunkelheit und Kälte ausharren muss. Die Situation wird durch den aktuellen Temperatursturz in vielen Regionen der Ukraine noch verschärft./bal/DP/nas



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