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09.04.2025 14:48

Deutscher Olympia-Traum: So geht es mit der Bewerbung weiter

Sportpolitik

Frankfurt/Main (dpa) - Die Hürden sind hoch, aber das Ziel ist klar: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will Olympia erstmals seit den Sommerspielen 1972 in München wieder nach Deutschland holen. 2036, 2040 oder 2044 können dafür infrage kommen. Wenn die Sommerspiele vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wieder nach Europa vergeben werden, will der DOSB bereit sein, wie der Verband nun noch mal in einem Pressegespräch mit Nachdruck erklärte. «Deutschland muss ready sein, wenn Europa gefragt wird», sagte Michael Mronz, Mitglied des IOC und des DOSB-Präsidiums. Doch bis dahin wartet viel Arbeit. 

Welche Städte und Regionen wollen sich bewerben?

Berlin in Kooperation mit dem kleineren Partner Leipzig sowie Hamburg, München und die Region Rhein-Ruhr sind an der Ausrichtung interessiert. Sie arbeiten in Abstimmung mit dem DOSB an Regionalkonzepten. Der Großteil der Athletinnen und Athleten soll in einem olympischen Dorf nach dem «One-Village»-Konzept unterkommen.

Wie geht es in den kommenden Wochen und Monaten ab?

Die Bewerber müssen im Rahmen eines sogenannten Drei-Stufen-Modells zunächst bis Ende Mai verfeinerte Konzepte beim DOSB einreichen. Diese werden bis Ende September 2025 auf die Erfüllung der Mindestanforderungen und die entsprechende Plausibilität geprüft. Alle Konzepte, die diese Prüfung bestehen, werden bei der Mitgliederversammlung Ende dieses Jahres vorgestellt. Entschieden werden soll dann aber noch nichts.

Wann steht fest, mit welchem Bewerber Deutschland ins Rennen gehen will?

Die finale Entscheidung über ein deutsches Bewerbungskonzept soll spätestens bis Herbst 2026 getroffen werden. Anschließend muss das Ganze noch von den DOSB-Mitgliedern abgesegnet werden. Das gilt aber als Formsache. Der DOSB geht dann davon aus, dass das IOC frühestens 2027 über die Vergabe entscheiden wird.

Inwieweit wird die Bevölkerung eingebunden? 

Schon zwei Mal scheiterte zuletzt eine deutsche Olympia-Bewerbung, weil die Bevölkerung etwas dagegen hatte. Die Bewerbung von München für die Winterspiele 2022 fiel bei einem Referendum genauso durch wie die der Stadt Hamburg für die Sommerspiele 2024.

Um ein erneutes Debakel zu verhindern, will der DOSB in enger Abstimmung mit dem Bund und den Bewerbern Maßnahmen entwickeln, wie sich die Gesellschaft rund um mögliche Referenden, aber vor allem auch darüber hinaus an der Planung der Spiele beteiligen kann.

Mögliche Bürgerentscheide in diesen Städten und Regionen müssten nach DOSB-Angaben bis Juni 2026 durchgeführt werden. «Über Datum, Fragestellung und Option eines gleichzeitigen Referendums entscheiden allein die politischen Instanzen», hieß es. Eine zwingende Voraussetzung, um sich für Olympia zu bewerben, ist ein Referendum also nicht.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) kündigte im Deutschlandfunk allerdings noch für das laufende Jahr einen Bürgerentscheid an.

Wie hoch werden die Kosten einer Bewerbung sein?

Konkrete Kosten nennt der DOSB noch nicht. Der laufende nationale Prozess, den der Verband bis Mitte 2024 aus Eigenmitteln finanzierte, soll aber deutlich günstiger sein als vergangene deutsche Bewerbungen. Günstiger beispielsweise, als die rund 50 Millionen Euro, die Hamburg im Budget für den Anlauf auf die Sommerspiele 2024 veranschlagt hatte.

Wer gilt als deutscher Favorit?

Schwierig zu sagen, weil sich der DOSB nicht in die Karten schauen lässt. Gute Chancen rechnen sich alle Interessenten aus. Berlin hätte als Hauptstadt im Zusammenspiel mit dem kleineren Partner Leipzig womöglich die größte internationale Strahlkraft und als ehemals geteilte deutsche Stadt den größten Charme der ersten gesamtdeutschen Spiele seit der Wiedervereinigung. Und es gibt bereits ein modernes Olympiastadion.

Die Stadt München müsste ihres erst noch erneuern. Die European Championships vor fast drei Jahren, als mehrere Sportarten ihre Europameisterschaften in der bayerischen Landeshauptstadt ausgetragen hatten, waren aber ein voller Erfolg. Das Signal: München kann Großereignisse.

Die Region Rhein-Ruhr punktet vor allem damit, auf bestehende Sportstätten zurückgreifen zu können. Ein Olympiastadion fehlt allerdings. Genauso wie in der Stadt Hamburg, die wie kein anderer Bewerber maritime Spiele präsentieren könnte. Hier wären temporäre Leichtathletik-Stadien möglich.

Inwieweit ist der DOSB mit dem IOC im Gespräch?

Seit Beginn des Jahres steht der Dachverband den eigenen Angaben zufolge in einem «regelmäßigen, vertrauensvollen Austausch» mit dem IOC. Nach einem Beschluss bei der Mitgliederversammlung 2024 wird der DOSB in diesem Jahr in einen Continuous Dialogue - die nächste formelle Phase des Bewerbungsverfahrens – eintreten. Mit diesem Schritt ist Deutschland dann auch international offiziell ein Interessent für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele. 

Es gibt aber starke Mitbewerber, der scheidende IOC-Chef Thomas Bach spricht von einer zweistelligen Zahl. Vor allem Indien und Katar werden als Favoriten für die nächste Vergabe gehandelt, auch Indonesien, die Türkei und Saudi-Arabien haben Olympia-Pläne. Ägypten und Südafrika könnten mit ersten Spielen auf dem afrikanischen Kontinent locken.

Wie steht eine neue Bundesregierung zu einer deutschen Olympia-Bewerbung?

Die Unterstützung auch der neuen Koalition gilt als sicher. Sowohl CDU/CSU als auch SPD befürworten eine deutsche Olympia-Bewerbung. «Es bestehen positive Signale dafür, dass die politische Unterstützung auf Bundesebene auch künftig Bestand haben wird», teilte der DOSB mit.



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