07.01.2026-
CES/ROUNDUP 2: Siemens und Nvidia rufen neue industrielle Revolution aus
LAS VEGAS (dpa-AFX) - Der Industriekonzern Siemens und der US-Chipriese Nvidia weiten ihre Zusammenarbeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz deutlich aus. In der Keynote-Ansprache zur Eröffnung der Technikmesse CES kündigte Siemens-Vorstandschef Roland Busch zusammen mit Nvidia-Chef Jensen Huang mehrere Initiativen an, um KI nicht nur bei der Simulation von Arbeitsabläufen und Designveränderungen einzusetzen, sondern den KI-Einsatz stärker in die physische Realität zu holen. "Wir stehen am Anfang einer neuen industriellen Revolution", sagte Huang. An der Börse kam die Nachricht gut an.
Die Siemens-Aktie setzte ihren jüngsten Höhenflug fort. Das Papier stieg im frühen Handel um zweieinhalb Prozent auf 253,80 Euro und damit den höchsten Stand seiner 126-jährigen Börsengeschichte. In den vergangenen zwölf Monaten verteuerten sich die Siemens-Anteile um fast ein Drittel. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Mit einem Börsenwert von mehr als 200 Milliarden Euro ist der Münchner Konzern nach SAP das zweitwertvollste börsennotierte Unternehmen Deutschlands.
Fabriken in Echtzeit simulieren
Zu den konkreten Neuerungen gehört der "Digital Twin Composer". Das ist ein neues Tool, mit dem Unternehmen physikalisch korrekte, virtuelle Abbilder (Digitale Zwillinge) ihrer Fabriken und Produkte erstellen können. Ingenieure sollen damit ganze Fabriken in Echtzeit simulieren, Roboter virtuell trainieren und Probleme lösen, bevor die echte Fabrik überhaupt gebaut wird.
Beide Unternehmen erklärten das Ziel, gemeinsam eine Art Betriebssystem für den Einsatz künstliche Intelligenz in der Industrie zu schaffen. Siemens liefert dabei das Fachwissen zu den industriellen Prozessen, die Automatisierungs-Hardware und die Software. Nvidia steuert wiederum mit seinen Chips die KI-Infrastruktur sowie eine Simulationsplattform bei.
Busch sagte, dass es mit den neuen Tools möglich sei, bei der Konstruktion von Zügen oder Autos nicht nur in einem virtuellen Windkanal die Aerodynamik der Fahrzeuge zu erfassen, sondern mit Hilfe der KI konkrete Vorschläge zur Optimierung des Designs zu erarbeiten.
Metaverse in der Fabrikhalle
Bei einer weiteren Neuerung arbeitet Siemens mit dem US-Facebook-Konzern Meta zusammen. Dabei geht es um intelligente Brillen, mit denen Industriearbeiter KI-gestützte Anweisungen direkt in ihr Sichtfeld oder aufs Ohr gespielt bekommen, während sie an Maschinen arbeiten.
Siemens positioniert sich mit den Aussagen von CEO Busch in Las Vegas stärker als Technologieanbieter für industrielle KI und digitalisierte Produktion - weg vom klassischen Maschinenbauer, hin zu einem "Tech-Partner für KI in der realen Welt"./chd/DP/zb/mis |