09.01.2026-
Krisenkonzern Baywa trennt sich von neuem Chef
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der hoch verschuldete Münchner Mischkonzern Baywa trennt sich wegen interner Querelen von seinem vor weniger als einem Jahr berufenen Vorstandschef Frank Hiller. Der Manager wird das Unternehmen "einvernehmlich" zum 31. Juli wieder verlassen, wie der Aufsichtsrat mitteilte. Hillers Amt als Vorstandsvorsitzender endet jedoch mit sofortiger Wirkung. Als Grund nannte der Konzern "unterschiedliche Auffassungen über die mittel- bis langfristige Strategie" des Unternehmens. Der Aufsichtsrat berief keinen Nachfolger, Hillers Aufgaben sollen unter den verbliebenen drei Vorständen aufgeteilt werden.
Rettungsplan soll weiter laufen
Am Sanierungsplan, der die finanzielle Gesundung bis Ende 2028 vorsieht, soll sich nichts ändern: "Die eingeleitete Restrukturierung unseres Unternehmens verläuft nach Plan und wird weiter aktiv vorangetrieben", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Gregor Scheller.
Hiller weniger als ein Jahr auf dem Chefsessel
Hiller hatte seinen Posten erst am 1. März 2025 angetreten. Er sollte den Konzern gemeinsam mit dem Sanierungsvorstand Michael Baur neu aufstellen, den der Aufsichtsrat von der Unternehmensberatung Alix Partners geholt hatte. Die Arbeitsaufteilung sah vor, dass Bauer die Regie bei der Sanierung führen und Hiller die Neuaufstellung des verbleibenden Geschäfts vorantreiben sollte. Doch das funktionierte offenkundig nicht nach Plan. Dass Hillers Stuhl wackelte, hatte vor einigen Tagen die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Der Aufsichtsrat tagte in den vergangenen Tagen mehrfach. Schon Hillers Vorgänger Marcus Pöllinger hatte nach kurzer Amtszeit vorzeitig gehen müssen.
Wichtigster Geschäftszweig der Baywa ist der Agrarhandel, das Unternehmen spielt vor allem im Süden und im Osten Deutschlands eine wichtige Rolle für die Landwirte: Die Baywa kauft einerseits Getreideernten und andere Erzeugnisse an und beliefert die Bauern andererseits mit Saatgut, Dünger, Landmaschinen und anderem Bedarf.
Riesiger Schuldenberg soll abgebaut werden
Der Konzern war im Sommer 2024 in Schieflage geraten und ist derzeit einer der größten Sanierungsfälle in Deutschland. Ein maßgeblicher Auslöser waren die hohen Zinszahlungen für 5,4 Milliarden Euro Bankkredite. Der Sanierungsplan sieht vor, vier Milliarden Euro Kredite abzuzahlen. Dafür sollen rund zwei Drittel der früheren Baywa-Geschäfte verkauft werden. Im Wesentlichen sind das die Auslandstöchter, die der Konzern in den 2010er Jahren auf Kredit gekauft hatte.
Die Belegschaft wird im Zuge der Sanierung voraussichtlich ebenfalls um zwei Drittel verkleinert: Ende 2023 beschäftigte der Konzern weltweit über 23.000 Menschen, am Ende könnten es noch etwa 8.000 sein. Dann soll die Baywa wieder ein weitgehend auf Deutschland beschränktes Handelsunternehmen sein./cho/DP/men |