07.01.2026-
Preiskampf bei E-Autos: Großer Spielraum für Chinesen
BOCHUM/FRANKFURT (dpa-AFX) - Vergleichbare Elektroautos werden in Deutschland aktuell deutlich teurer angeboten als in China. Ein aktueller Netto-Preisvergleich des privaten Instituts Center Automotive Research (CAR) zeigt für 30 wichtige E-Modelle einen durchschnittlichen Preisaufschlag von 47 Prozent für deutsche Käufer.
Chinesische Batterieautos kosten hier durchschnittlich mehr als das Doppelte (118 Prozent) als in ihrem Heimatland. Teslas sind 23 Prozent teurer als in China, und die E-Autos europäischer Hersteller kommen auf einen Aufschlag von 28 Prozent.
Nach Einschätzung von CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer findet der Preiskampf um die Elektroautos im Moment fast ausschließlich auf dem mit Abstand größten Einzelmarkt China statt. Die 13 untersuchten Modelle chinesischer Hersteller würden dort zu einem kaum vorstellbaren Netto-Listenpreis von durchschnittlich knapp 15.000 Euro angeboten. Im Kampf um Größenvorteile bauten die Hersteller mit BYD an der Spitze gewaltige Produktionskapazitäten auf, die den Absatz- und Preisdruck weiter erhöhten.
Preise dürften auch in Europa nachgeben
Über Nacht werden die deutschen Autokäufer von den gigantischen Preis- und Kostenspielräumen kaum profitieren, meint der Auto-Experte. Neben den EU-Zöllen müssten die noch wenig etablierten China-Marken gewaltige Vertriebskosten schultern. Mittelfristig sei aber mit Änderungen zu rechnen.
"Preisschranken lassen sich mittelfristig nicht aufrechterhalten. Der große Exportdruck nagt in den nächsten drei Jahren an den Preisen und Rabatten. Die Preise der Elektroautos werden in den nächsten Jahren weiter nachgeben", sagte Dudenhöffer.
Wie deutsche Hersteller reagieren
Die deutschen Hersteller gehen den Preiskampf im chinesischen Markt nur zum Teil mit. Während VW etwa beim ID3 nur den halben Listenpreis aus Deutschland aufruft, verlangt BMW für einzelne Spitzenmodelle sogar mehr Geld als in der Heimat. Das Ergebnis ist laut CAR-Analyse das gleiche, nämlich geringe Stückzahlen.
Ganz hintendran sei Mercedes-Benz , die bis einschließlich Oktober nur knapp mehr als 8.000 E-Autos im riesigen chinesischen Markt verkauft haben. Hier lägen die Hoffnungen auf dem neuen, gerade gestarteten CLA.
"Wenn die deutschen Autobauer ihre schlechte Position im 10-Millionen-Produktionsstandort für Elektroautos verbessern wollen, brauchen sie eine klare, disruptive Kostenstrategie", sagte Dudenhöffer. In der Strategie von VW und Audi, Autos für China in China zu entwickeln und zu bauen, sehe er einen spannenden Ansatz. In diesem Jahr sollen die ersten Modelle der Unyx-Reihe von VW starten. Die in Wolfsburg entwickelten ID-Modelle dürften dann Stück für Stück vom Markt verschwinden, erwartet der Experte./ceb/DP/zb |