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08.03.2026 18:24

ROUNDUP: Grüne bei Wahl in Baden-Württemberg knapp vor CDU

STUTTGART/BERLIN (dpa-AFX) - Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg liefern sich Grüne und CDU ein enges Rennen um Platz eins. Nach den Prognosen von ARD und ZDF liegen die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir knapp vor der CDU von Landeschef Manuel Hagel.

Die AfD verdoppelt ihr Ergebnis und landet auf Platz drei. Die SPD stürzt auf ein historisches Tief bei Landtagwahlen bundesweit. FDP und Linke scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde.

Den Prognosen zufolge kommen die Grünen auf 31,5 bis 32 Prozent (2021: 32,6 Prozent), die CDU liegt mit 29,0 bis 30,5 Prozent knapp dahinter (24,1). Die AfD erhält 17,5 bis 18 Prozent (9,7). Mit großem Abstand folgt die SPD mit 5,5 Prozent (11,0). Die FDP kommt auf 4,5 Prozent (10,5), die Linke ebenfalls auf 4,5 Prozent (3,6).

Erstmals durften 16- und 17-Jährige abstimmen

Die Wahlbeteiligung liegt den Prognosen nach bei 69,5 bis 71,5 Prozent (2021: 63,8). Gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte durften ihre Stimme abgeben - so viele wie nie zuvor.

Erstmals galt ein neues Wahlrecht, auch 16- und 17-Jährige durften abstimmen. Zudem hatten Bürger zum ersten Mal zwei Stimmen wie bei der Bundestagswahl. Die Zweitstimme entscheidet über die Kräfteverhältnisse im Landtag, die Erststimme über den Direktkandidaten im Wahlkreis.

Nachfolger für Langzeit-Ministerpräsident Kretschmann gesucht

Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen trat nach 15 Jahren nicht mehr an. Der 77-Jährige, bundesweit der erste und einzige Regierungschef der Grünen, verabschiedet sich in den Ruhestand. Seit 2016 regierte er mit der CDU, davor mit der SPD. Es gilt als wahrscheinlich, dass CDU und Grüne erneut zusammen regieren.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stand die Wirtschaftspolitik. Baden-Württemberg ist ein industrielles Herz Deutschlands - und abhängig von der Autoindustrie, die einen Strukturwandel durchmacht. Tausende Jobs stehen zur Disposition, etliche Regionen blicken mit Sorge auf die Zukunft.

Vorsprung der CDU im Umfragen zuletzt geschrumpft

Über Monate lag die CDU in Umfragen deutlich vor den Grünen, der Abstand schmolz zuletzt aber stark. Als Partei präferierten viele zwar die CDU, aber als Ministerpräsidenten wollten die Menschen lieber Özdemir - und weniger den bis zuletzt kaum bekannten CDU-Mann Hagel.

Der 60-jährige Grünen-Kandidat Özdemir ist seit Jahrzehnten in der Politik - er saß im Bundestag und im Europaparlament, war Grünen-Chef und auch Bundesminister. Im Wahlkampf ging Özdemir, der sich einen "anatolischen Schwaben" nennt, auf Abstand zu den Bundes-Grünen und gab sich ein eher konservatives Profil.

Hagel schwärmte von "rehbraunen Augen" einer Schülerin

Der 37-jährige gelernte Bankkaufmann Hagel ist seit 2021 CDU-Fraktionschef im Landtag und wäre, sollte seine Partei vorn liegen, der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte. Im Wahlkampf stand der gläubige Katholik und Jäger in der Kritik wegen eines Videos: In dem acht Jahre alten Clip schwärmt er von den "rehbraunen Augen" einer minderjährigen Schülerin.

Auch SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch trat in einen "Fettnapf", wie er selbst sagte: In einem SWR-Porträt ist zu sehen, dass er ausgerechnet nach einem Besuch in einem Laden der Tafel seinem Fahrer offenbar aufträgt, im benachbarten Frankreich Pastete einzukaufen. Auch wenn es zu dem Einkauf nie kam, drückte Stoch sein Bedauern aus.

Das historisch schlechte SPD-Ergebnis im Südwesten dürfte auch die Bundes-SPD schocken, wo Parteichef Lars Klingbeil mit den Koalitionspartnern CDU und CSU wichtige Reformen im Renten- und Gesundheitssystem vor der Brust hat.

AfD ohne Chance auf Regierung, Schicksalswahl für FDP

Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier wird vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet. Frohnmaier kandidiert nicht für den Landtag. Der stellvertretende Fraktionschef im Bundestag will Ministerpräsident werden - die Aussichten sind allerdings verschwindend gering: Keine der übrigen Parteien will mit der AfD koalieren.

Die im Südwesten tief verwurzelte FDP zog mit Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke ins Rennen. Er sprach von der "Mutter aller Wahlen" für seine Partei: Starke Verluste in Baden-Württemberg dürften auch ein Comeback im Bund erschweren.

Die Linke trat mit drei jungen Frauen als Spitzen-Trio an und setzte damit einen Kontrapunkt zu den übrigen Parteien. Ins Zentrum rückten sie die hohen Mieten und die Kluft zwischen Arm und Reich.

Auftakt für das "Superwahljahr 2026"

Die Wahl ist die erste von fünf Landtagswahlen im "Superwahljahr 2026" und die erste unter der schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU). CDU und SPD debattieren über wichtige Reformen. Die Wahlergebnisse sind daher wichtig für die Stimmung.

Die nächste Wahl steht am 22. März in Rheinland-Pfalz an. Dort droht der seit 34 Jahren regierenden SPD der Verlust des Ministerpräsidentenpostens. Im September wählen Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern - hier kommt die AfD in Umfragen an die 40 Prozent./kli/DP/mis



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