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03.03.2026 15:35

ROUNDUP: Nur bei jedem zehnten Paar ist die Frau Hauptverdienerin

WIESBADEN/BERLIN (dpa-AFX) - Nur in wenigen Fällen trägt die Frau in Deutschland einen größeren Teil zum gemeinsamen Einkommen bei als der Mann. Lediglich in jedem zehnten Paarhaushalt (9,9 Prozent) hatte 2025 die Frau ein höheres Nettoeinkommen als ihr Ehe- oder Lebenspartner. Das teilt das Statistische Bundesamt zum Internationalen Frauentag am 8. März anhand von EU-Daten mit.

Gewerkschaftsnahe Experten sehen einen Grund für die Unterschiede in den noch immer im Durchschnitt niedrigeren Einkommen bei Frauen als bei Männern. Frauen kümmerten sich auch mehr um Kinder und die Pflege von Älteren als Männern. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte deshalb unter anderem ein Ende des Ehegattensplittings bei der Steuer.

Die jüngsten Entwicklungen

Allen Aufrufen zu mehr Gleichstellung zum Trotz ist der Anteil der Frauen als Hauptverdienerinnen in den vergangenen Jahren sogar noch leicht gesunken. 2021 lag er noch bei 10,5 Prozent.

Insgesamt habe sich die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern beim Blick auf die Einkommensverteilung in den letzten Jahren aber wenig verändert, schreiben die Statistiker. Bei gut der Hälfte der Paare (55,8 Prozent), die in einem Haushalt zusammenleben, war der Mann im vergangenen Jahr der Hauptverdiener. 2021 waren es knapp 59 Prozent.

In gut jedem dritten Paarhaushalt (34,3 Prozent) lagen Mann und Frau beim Einkommen in etwa gleichauf. Der Anteil solcher Haushalte ist seit 2021 (damals 30,7 Prozent) gestiegen. Als Haupteinkommensperson gilt die Person, deren Nettoeinkommen für 60 Prozent oder mehr des gemeinsamen Einkommens steht. Die Zahlen stammen aus der europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC).

Kinder spielen bei den Unterschieden eine Rolle

Bei Paaren ohne Kinder im Haushalt ist das Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern etwas weniger stark. In 11,4 Prozent der Fälle hatte hier die Frau das höhere Einkommen und in 50,1 Prozent der Mann. Bei 38,5 Prozent der Paare ohne Kinder hatten beide ein etwa gleich hohes Einkommen.

In Paarfamilien mit Kindern im Haushalt sind Frauen noch seltener die Hauptverdienerin. Hier hatte die Frau in nur 7,7 Prozent der Fälle das höhere Einkommen. In knapp zwei von drei solcher Haushalte (64,6 Prozent) war dagegen der Mann Hauptverdiener. In gut einem Viertel der Paarhaushalte mit Kindern lagen Frau und Mann etwa gleichauf.

Ein Grund für die größeren Einkommensunterschiede bei Paaren mit Kindern: Mütter arbeiten laut Statistik deutlich öfter in Teilzeit als erwerbstätige Frauen insgesamt. Bei den Männern ist es umgekehrt: Hier arbeiten Väter seltener in Teilzeit.

Gewerkschaften kritisieren Gehaltsunterschiede

Bettina Kohlrausch, eine Sozialexpertin bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, macht für die ungleiche Verteilung von Einkommen die schlechtere Entlohnung von Frauen verantwortlich. "So beträgt der unbereinigte Gender Pay Gap 16 Prozent und der bereinigte immer noch 6 Prozent", ruft Kohlrausch in Erinnerung. 16 Prozent beträgt also die Lohnlücke pro Arbeitsstunde zwischen Frauen und Männern, errechnet vom Statistischen Bundesamt. Dabei sehen die Statistiker bei rund 6 Prozent des Unterschieds keine klare Erklärung wie niedrigerer Beschäftigungsumfang oder Qualifikation.

"Die Gehaltsdifferenz ist zudem das Ergebnis einer ungleichen Verteilung von Sorgearbeit, die immer noch überwiegend von Frauen geleistet wird", so Kohlrausch weiter. Sie forderte einen Ausbau der Kinderbetreuung. "Zugleich sind die Männer gefragt, endlich ihren Teil der Sorgearbeit zu übernehmen."

DGB-Vizechefin Elke Hannack erneuerte Gewerkschaftsforderungen nach grundlegenden Änderungen im Steuerrecht. Individualbesteuerung statt Ehegattensplitting solle Anreize vermindern, es bei ungleichen Einkommen in einem Paarhaushalt zu belassen. Denn durch das Ehegattensplitting kommt es bei ungleichen Einkommen oft zu einer deutlichen Steuerersparnis. Hierbei wird das gemeinsame zu versteuernde Einkommen von Paaren zusammengerechnet, halbiert und darauf die Einkommensteuer berechnet.

"Frauen wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglichen"

Hannack bezeichnete es zwar als gute Nachricht, dass in weniger Haushalten als früher der Mann der Hauptverdiener sei. Doch mit Kindern ändere sich das - Mütter arbeiteten häufiger Teilzeit, Väter seltener. "Wir brauchen wirksame Anreize, um die Sorgearbeit zu Hause gerechter zwischen Müttern und Vätern zu verteilen", so die DGB-Vizechefin. Sie forderte auch einen Rechtsanspruch auf Rückkehr in Vollzeit für alle Beschäftigten. Nötig seien auch schärfere Regeln für die Transparenz für das Einkommen in den Betrieben.

Hannack: "Wir brauchen endlich eine Politik, die Frauen echte wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglicht - nicht nur am Internationalen Frauentag." Bereits am Equal Pay Day - einem internationalen Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern - waren Rufe nach mehr Tempo bei der Gleichstellung lauter geworden. Im vergangenen Jahr hatte sich die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern im Schnitt erstmals binnen eines Jahres um 2 Prozentpunkte verringert, bevor sie nun stagnierte. 2006 hatte sie noch 23 Prozent betragen./als/DP/stw



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