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30.04.2025 15:36

GESAMT-ROUNDUP/Zölle bremsen Erholung aus: Wirtschaft vor neuem Krisenjahr

WIESBADEN (dpa-AFX) - Für die gebeutelte deutsche Wirtschaft könnte das Mini-Wachstum im ersten Quartal ein Lichtblick sein - wäre da nicht der Zollstreit. Auch der Rest Europas blickt mit bangem Blick nach Washington und den Fortgang der konfrontativen Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Deutschland droht 2025 das dritte Rezessionsjahr in Folge - das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik.

Dabei überraschten die ersten drei Monate des Jahres positiv: Nicht nur in Europas größtes Volkswirtschaft Deutschland wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) leicht mit einem Plus von 0,2 Prozent zum Vorquartal. Auch in der Europäischen Union (plus 0,3 Prozent) und im Euroraum insgesamt (plus 0,4 Prozent) legte die Wirtschaftsleitung deutlicher zu als erwartet.

Privater Konsum schiebt Wirtschaft an

Hierzulande sorgten kauffreudige Verbraucherinnen und Verbraucher für die leichte Erholung. Private Konsumausgaben und Investitionen fielen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes höher aus als im Vorquartal.

Die Inflation in Deutschland ist abgeebbt, während die Löhne gestiegen sind. Daher haben die Menschen unterm Strich mehr Geld in der Tasche. Im April lag die Inflationsrate hierzulande dank billigerer Energie noch bei 2,1 Prozent - nach 2,2 Prozent im März. Sinkende Zinsen und damit günstigere Kredite sind zudem ein Anreiz für Anschaffungen.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist mit einer Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent noch robust, die übliche Frühjahrsbelebung fiel jedoch schwach aus. Im April sank die Zahl der Arbeitslosen zwar um 36.000 zum Vormonat auf 2,932 Millionen. Das sind aber 182.000 mehr als vor einem Jahr.

"Weg aus der Stagnation ist lang"

Noch im Schlussquartal 2024 war die deutsche Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft. "Das Plus gegenüber dem vierten Quartal sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Wirtschaft nicht vor einer langjährigen, kräftigen Erholung steht", ordnet Commerzbank -Chefvolkswirt Jörg Krämer ein.

Zwar dürften die geplanten gigantischen Milliardensummen für Verteidigung und Infrastruktur die Konjunktur im kommenden Jahr anschieben. Viele Unternehmen vermissten aber "einen wirtschaftspolitischen Neustart, der nach der jahrelangen Erosion der Standortqualität notwendig wäre", sagt Krämer.

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung appelliert an die neue Bundesregierung, schnell Wachstumsimpulse zu setzen. Dies könnte die inländische Nachfrage stabilisieren, wenn die Exportnachfrage durch die US-Zölle belastet werde: "Damit würde die deutsche Wirtschaft auch trotz des Zollkonflikts mit den USA in einen Aufschwung einschwenken und ab kommendem Jahr wieder stärker wachsen können."

Trumps Zölle trüben Konjunkturhoffnungen

US-Präsident Trump hat mit seinem XXL-Zollpaket Handelspartner und Finanzmärkte in Aufruhr versetzt, sein Zickzack-Kurs sorgt für enorme Unsicherheit - Gift für die Weltwirtschaft.

Der scharfe Gegenwind durch die US-Zölle werde sich wohl erst im zweiten Halbjahr so richtig bei den deutschen Exporten widerspiegeln, meint Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim Fondsanbieter Union Investment. Viele Unternehmen hätten Exporte in Erwartung höherer Zölle vorgezogen. Daher könnte die Wirtschaftsleistung im kommenden Quartal noch solide ausfallen. "Der Weg aus der Stagnation der letzten Jahre ist aber lang."

Zölle treffen "Made in Germany" besonders

Die USA sind Deutschlands wichtigster Handelspartner vor China und den Niederlanden und größter Abnehmer deutscher Ausfuhren. 2024 gingen gut zehn Prozent aller deutschen Exporte - Waren im Wert von gut 161 Milliarden Euro - in die Vereinigten Staaten.

Zu Jahresbeginn legten Volkswirtschaften in Südeuropa wie Italien (plus 0,3 Prozent) und Spanien (plus 0,6 Prozent) stärker zu als Deutschland. "Der europäische Süden bleibt die Wachstumslokomotive", sagt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank.

Nach Gitzels Einschätzung dürfte Europas Süden von einer guten Tourismussaison profitieren, während hohe US-Zölle insbesondere in der deutschen Volkswirtschaft "deutliche Schäden" hinterlassen könnten. Auch die US-Wirtschaft, die bereits im ersten Quartal überraschend schrumpfte, dürfte nach Auffassung von Ökonomen infolge der Zölle langsamer wachsen. Das würde sich ebenfalls negativ auf Deutschland auswirken.

Deutsche Wirtschaft in der Dauerkrise

Damit droht der deutschen Wirtschaft statt des ersehnten Aufschwungs nach zwei Jahren Flaute das nächste Krisenjahr. Reihenweise wurden in den vergangenen Wochen die ohnehin schon niedrigen Prognosen gesenkt.

So erwartet die geschäftsführende Bundesregierung für dieses Jahr eine Stagnation des Bruttoinlandsprodukts. Im Januar hatte sie noch mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) traut der deutschen Wirtschaft 2025 kein Wachstum zu. Der IWF rechnet wegen Trumps aggressiver Zollpolitik mit einer globalen Wachstumsflaute.

Neue Bundesregierung will Wirtschaft ankurbeln

Union und SPD wollen nach dem Regierungswechsel in Berlin etliche Maßnahmen für die Wirtschaft rasch auf den Weg zu bringen: Geringere Energiekosten und Unternehmenssteuern, flexibleres Arbeitsrecht, weniger Bürokratie. Die Energiemanagerin Katherina Reiche soll die Nachfolge von Robert Habeck (Grüne) antreten und die Wirtschaft aus der Krise führen.

Immerhin: Der IWF erwartet von 2026 an positive Auswirkungen des milliardenschweren Finanzpakets auf die deutsche Wirtschaft. Dann könnte die Konjunkturflaute ein Ende haben: Ökonomen trauen Deutschland 2026 zwischen einem und eineinhalb Prozent Wachstum zu./ben/als/DP/la



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