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30.03.2026-

ROUNDUP: Warum Camping in Deutschland boomt

WIESBADEN (dpa-AFX) - Ob im Zelt, Wohnmobil oder Mobilheim: Camping ist bei den Deutschen so beliebt wie noch nie. 44,7 Millionen Übernachtungen haben die Betreiber von deutschen Campingplätzen für das vergangene Jahr gemeldet, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Das waren 4,2 Prozent mehr als 2024 und fast ein Viertel (24,9 Prozent) mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019.

Warum zieht es die Deutschen auf die Campingplätze der Republik, wo sie doch auch die Vorzüge eines Hotels genießen könnten, statt morgens beim Weg auf die Gemeinschaftstoilette nasse Füße zu riskieren? Wieso boomt Camping in Deutschland?

Was für Camping spricht

"Camping ist eine Lebenseinstellung", sagt Frank Schaal, Geschäftsführer des Branchenverbandes der Campingwirtschaft in Deutschland. Es spricht beim Camping von einem "ganz besonderen Gefühl". Der Verband vertritt eigenen Angaben zufolge rund 1.000 Campingplätze in Deutschland.

Camping liege im Trend, weil es ganz unterschiedliche Bedürfnisse befriedige. Auf Campingplätzen gebe es das ungeschriebene Gesetz, dass man direkt miteinander per Du sei, sagt Schaal. Das sei anders als in einem 4- oder 5-Sterne-Hotel.

Gerade auch für Familien mit Kindern sei Camping toll, weil die Kinder schnell Anschluss zum Spielen mit anderen Kindern fänden. Da Campingplätze überwiegend im ländlichen Raum zu finden seien, profitiere man von der Nähe zur Natur.

Tourismusforscher Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg, nennt noch einen weiteren Grund: die Individualisierung der Menschen. Im Wohnmobil hätten die Menschen "ihre eigenen vier Wände". Man sei zudem recht flexibel und frei. Auf Camping- oder Stellplätzen könne man Kontakt knüpfen, müsse es aber nicht, sagt Reinhardt.

Wie sich Campingplätze verändert haben

Die Campingplätze von heute sähen ganz anders aus als noch in den 80ern. Neben Zelten und Wohnwagen gebe es heute viel mehr Wohnmobile. Auch die Qualität der Anlagen sei höher: Die Campingplatzbetreiber hätten in den vergangenen Jahren viel Geld investiert, um die Standards zu verbessern, sagt Verbandsvertreter Schaal.

Was gerade im Trend liegt

Wohnmobile seien noch immer ein sehr wichtiges Segment. Aber Schaal sieht auch neue Trends, etwa bei Dachzelten. Gerade jüngere Menschen seien gerne mit ihrem privaten Pkw unterwegs, bei dem auf dem Dach ein Zelt installiert sei.

Ein weiterer Trend seien "Glamping-Unterkünfte", quasi glamouröse Campingunterkünfte. Das seien etwa Zelte oder mobile Ferienwohnungen, die aber einen höheren Standard hätten. Viele Menschen, gerade aus den Städten, hätten vielleicht gar kein Equipment, würden aber trotzdem gerne auf dem Campingplatz sein. Da sei dies eine entsprechende Alternative, sagt Schaal.

Wie sich der Wohmobil-Boom entwickelt hat

Befeuert von der Corona-Pandemie und dem anhaltenden Trend zum individuellen Reisen hat es in den vergangenen Jahren einen Boom rund um Wohnmobile gegeben. Dieser scheint ein Stück weit vorbei zu sein.

Die deutschen Hersteller von Reisemobilen und Wohnwagen haben ihre Produktion im vergangenen Jahr deutlich zurückgefahren. Insgesamt verließen rund 99.000 Fahrzeuge die Werkshallen - und damit rund 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie der Caravaning Industrie Verband (CIVD) im Januar mitteilte. Man bewege sich aber noch immer auf einem hohen Niveau, und die Nachfrage bleibe hoch.

Welche Regionen besonders gefragt sind

Die mit Abstand beliebteste Campingregion blieb laut Statistischem Bundesamt auch 2025 die Ostseeküste mit 3,4 Millionen Übernachtungen in Schleswig-Holstein und 3,1 Millionen in Mecklenburg-Vorpommern. Auf den Plätzen folgen der Schwarzwald mit 2,6 Millionen und die niedersächsische Nordseeküste mit 2,0 Millionen.

Wie sich die Preise entwickelt haben

An dem Boom haben auch überdurchschnittliche Preiserhöhungen nichts geändert. So waren Wohnmobilplätze im vergangenen Jahr fast ein Drittel (32,2 Prozent) teurer als im Jahr 2020, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die allgemeinen Camping-Gebühren sind um 28,7 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Über alle Formen von Unterkünften hinweg haben sich Übernachtungen im selben Zeitraum um 26,9 Prozent verteuert, die Verbraucherpreise stiegen um 21,9 Prozent.

Die Preise seien gestiegen, die Qualität aber auch, argumentiert Branchenvertreter Schaal. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei immer noch sehr gut. Zumal man von einem niedrigeren Preisniveau im Vergleich zu Hotels komme. Absolut betrachtet fielen die Preissteigerungen also geringer aus als anderswo./rwi/DP/he

 
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