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28.03.2025 06:35

ROUNDUP: Trumps Vize fürs Grobe auf Grönland

WASHINGTON/NUUK (dpa-AFX) - J.D. Vance, der Vize von US-Präsident Donald Trump, ist anders als seine Vorgänger. Während Trumps Vizepräsident in der ersten Amtszeit, Mike Pence, meist mit eingefrorenem Lächeln stumm hinter seinem Chef stand und die Demokratin Kamala Harris bis zu ihrer Nominierung als Präsidentschaftskandidatin auch eher blass blieb, spielt Vance eine viel prominentere und lautere Rolle. Er scheut dabei vor keiner Kontroverse zurück. So reist er nun zusammen mit seiner Frau Usha nach Grönland, wo jeder Schritt der Trump-Regierung argwöhnisch beobachtet wird.

Münchner Sicherheitskonferenz und Attacke auf Selenskyj

Von Anfang an hat Vance auf Konfrontation geschaltet, etwa als er drei Wochen nach Amtsantritt der neuen US-Regierung die europäischen Verbündeten auf der Münchner Sicherheitskonferenz scharf attackierte und sich mit AfD-Chefin Alice Weidel traf. Für die ganze Welt ersichtlich wurde sein Krawall-Kurs dann bei dem Eklat im Weißen Haus, als er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor laufenden Kameras abkanzelte.

Das Magazin "Politico" schrieb, Vance agiere als Kampfhund des Präsidenten - eine Aufgabe, die Trumps volles Vertrauen verlange, da dieser ihm dafür das Scheinwerferlicht überlassen müsse. Vance sei Trumps rechte Hand, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, dem Magazin. Der 40-Jährige soll nach Angaben des Senders CBS schon bei der Bestätigung der Kabinettsmitglieder im Senat seine Muskeln spielen lassen haben, um auch die umstrittensten Nominierungen durchzudrücken.

Für seine prominente Rolle musste der frühere Senator von Ohio bereits einiges einstecken. Im renommierten Kennedy Center in der Hauptstadt Washington wurden er und Usha vom Publikum ausgebuht, bei einem Besuch einer Fabrik im Bundesstaat Michigan von Demonstranten empfangen - Vance konterte, indem er fragte, warum sie Zeit für Proteste hätten.

Nun reist J.D. Vance nach Grönland - ebenjener Insel, auf die sein Chef seit längerem ein Auge geworfen hat. Eigentlich sollte seine Frau ohne ihn reisen, doch dann erklärte er: "Die Aufregung um Ushas Besuch in Grönland an diesem Freitag war so groß - deshalb habe ich beschlossen, dass ich nicht möchte, dass sie den ganzen Spaß allein hat."

Eiskalte Stimmung

Eingeladen hat die Vances von offizieller grönländischer Regierungsseite niemand. In der Hauptstadt Nuuk hat man derzeit Wichtigeres zu tun: Zweieinhalb Wochen nach einer Parlamentswahl sind die grönländischen Parteispitzen dabei, eine neue Regierung zu bilden.

Dass das Trump-Lager politisch seit Monaten dazwischenfunkt, wird in Nuuk wie auch in Kopenhagen immer stärker als Ärgernis wahrgenommen. "Wir können die wiederholten Aussagen zur Annexion und Kontrolle Grönlands nicht akzeptieren", erklärten der geschäftsführende Regierungschef Múte B. Egede und die Spitzen der vier weiteren grönländischen Parlamentsparteien in einer gemeinsamen Erklärung.

"Yankee, go home!"

Auch eine klare Mehrheit der Inselbevölkerung ist einer Umfrage zufolge dagegen, US-Territorium zu werden. Um das zu untermauern, protestierten jüngst Hunderte Menschen in Nuuk und anderen Orten gegen die USA. Auf einem großen Banner war die unmissverständliche Botschaft "Yankee, go home!" zu lesen.

Seit einem medienwirksamen Kurzbesuch von Präsidentensohn Donald Trump Jr. im Januar versucht die US-Regierung, ein ganz anderes Bild von der größten Insel der Erde zu erzeugen: das von einem vermeintlichen Interesse daran, sich aus dem Königreich Dänemark zu verabschieden und "ein Teil der großartigsten Nation der Welt" zu werden, wie es Präsident Trump formulierte.

Neue Proteste, wie sie nach Bekanntgabe von Usha Vance' Reise angekündigt wurden, würden nicht in dieses schiefe Bild passen. Diese Erkenntnis dürfte ebenso wie die klare Abweisung durch die grönländische Politik eine Rolle dabei gespielt haben, warum die Reisepläne geändert wurden. Die Termine von Usha Vance in Nuuk und bei einem traditionellen Hundeschlittenrennen in Sisimiut mit direktem Kontakt zur grönländischen Bevölkerung - und dem Risiko größerer Demonstrationen - wurden abgeblasen. Dafür gibt es für sie und ihren Mann auf dem Militärstützpunkt Pituffik eine Art Heimspiel vor US-Soldaten.

Eskalation oder Deeskalation?

Der Besuch des bislang ranghöchsten Vertreters des Trump-Lagers auf Grönland bleibt umstritten, doch wird Vance in Pituffik kaum die Aufregung erzeugen können, die Trump Jr. mitten in der Hauptstadt Nuuk auslöste. Die US-Basis, die bis vor zwei Jahren Thule Air Base hieß, liegt im abgeschiedenen Nordwesten Grönlands. Sie hat große Bedeutung für die globale Raketenabwehr und die Weltraumüberwachung, ist aber vor allem auch eines: ziemlich fernab vom Schuss.

Zündet Vance bei seinem Grönland-Besuch dennoch die nächste Eskalationsstufe? Oder ist die US-Regierung womöglich um eine Beruhigung der Lage bemüht? Das bleibt abzuwarten, bis Trumps Kampfhund wieder zubeißt - oder es diesmal bleiben lässt./trs/tm/DP/zb



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