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22.08.2022 10:52

Börse Frankfurt-News: Wochenausblick: "Es konnte nicht so weitergehen"

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Es war nur ein kurzer Ausflug über 13.900 Punkte, die Stimmung ist gekippt. Hohe Inflation, steigende Zinsen und konjunkturelle Bremsspuren führen zu Kaufzurückhaltung.

22. August 2022 Frankfurt (Börse Frankfurt). Während die Sommertemperaturen zum nächsten Hoch anlaufen, scheint die Hochphase an der Börse vorbei zu sein - zumindest vorerst. Nach vier Wochen Anstieg ging es schon vergangene Woche wieder nach unten, am Montagmorgen setzt sich der Trend fort. Der DAX steht aktuell bei 13.390 Punkten nach 13.550 zum Handelsschluss am Freitag gut 1 Prozent im Minus. Die Vorgaben aus den USA sind negativ, vor allem der Nasdaq gab am Freitag deutlich nach. Inflations- und Rezessionssorgen haben wieder die Oberhand.

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Online-Session heute 12 Uhr: Rohstoff-Update mit Fokus auf Gas, Öl und Strom

Eines der bewegenden Themen dieser Monate sind die Gas- und Ölpreise. Zeit, einen Fachmann zu fragen, welche Faktoren den Weltmarkt bestimmen und wie es weiter gehen könnte. Deswegen ist Rohstoffanalyst Michael Blumenroth am kommenden Montag unser Gast bei börse@home.

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"Mehr Abgabe- als Aufnahmebereitschaft"

Laut Christoph Geyer rächt sich der mangelnde Umsatz. "Es lag bereits seit Wochen in der Luft, dass es so nicht weitergehen kann", erklärt der technische Analyst. Die Umsätze seien schon seit Ende Mai niedrig gewesen. "In den letzten Wochen haben sich zudem die Indikatoren im überkauften Bereich aufgehalten. Auch daher war es absehbar, dass der Trend nicht durchgehalten werden kann." Nun hätten sich Verkaufssignale bei den Indikatoren eingestellt. Am Freitag seien zudem die Umsätze etwas gestiegen - es sei also mehr Abgabe- als Aufnahmebereitschaft da. "Wenn nun nicht sehr schnell eine Gegenbewegung kommt und die jüngsten Signale negiert werden, ist mit weiter rückläufigen Notierungen zu rechnen."

"DAX dürfte wieder zurückfallen"

Andreas Hürkamp von der Commerzbank geht davon aus, dass der DAX in die Spanne von 11.500 bis 13.500 Punkten zurückfällt, die die Bank schon länger erwartet. "Dafür sprechen die stetige Eintrübung des monetären Umfeldes, die nun fallenden Erwartungen für die DAX-Unternehmensgewinne, das mittlerweile wieder recht hohe DAX-Kurs-Buchwert-Verhältnis und das wieder leicht optimistische Anlegersentiment." So müssten die Notenbanken trotz schwächerer Konjunktur die Zinszügel weiter straffen. "Vor dem Hintergrund des Rezessionsszenarios unserer Volkswirte erwarten wir außerdem einen kräftigen Rückgang von 10 Prozent für die DAX-Unternehmensgewinne für 2023." Auch sei die DAX-Kurs-Buchwert-Bewertung nach der jüngsten Kurserholung mit 1,5 wieder recht hoch, gerechtfertigt seien 1,2 bis 1,4. Außerdem sei das Anlegersentiment nun wieder "leicht optimistisch" nach "sehr pessimistisch".

Kurzfristig nach unten, längerfristig nach oben

Nach Einschätzung von Carsten Mumm von Donner & Reuschel bestehen kurzfristig weiterhin erhöhte Risiken, allerdings könnten sich die Problemfelder schneller als erwartet auflösen. Etwa wenn die US-Inflationsraten fielen, sich Chinas Wirtschaft belebe oder der Winter in Europa außergewöhnlich mild ausfalle und die Energieknappheit relativiere. "Sollte sich ein globaler Aufschwung im Laufe des ersten Halbjahres 2023 abzeichnen, dürfte dieser an den Aktienmärkten früh eingepreist werden." Die Bank bleibt daher optimistisch mit Blick auf das Jahresende 2022 und erwartet ab Herbst wieder steigende Notierungen. "Bis dahin sind kurzfristig niedrigere Notierungen nicht unwahrscheinlich, etwa durch Gewinnwarnungen von Unternehmen aufgrund sinkender Margen oder im Falle einer weiteren Drosselung russischer Gaslieferungen nach Europa."

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 23. August

9.30 Uhr. Deutschland: Einkaufsmanagerindex August. Die Commerzbank geht davon aus, dass die Stimmungsindikatoren im August erneut gefallen sind und sich damit die Rezessionssignale noch einmal verstärken. Sie rechnet mit einem Rückgang um etwa einen Punkt.

10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex August. Für den Euroraum insgesamt geht die Commerzbank ebenfalls von einem weiteren Rückgang aus. Damit nähmen auch für den Euroraum die Rezessionsgefahren weiter zu.

Mittwoch, 24. August

14.30 Uhr. USA: Auftragseingänge langlebige Güter Juli. Die Aufträge könnten im Juli leicht zugenommen haben, erklärt die Deutsche Bank. Investitionsfreudige Unternehmen würden der Wirtschaft sowie dem Aktienmarkt zugutekommen.

Donnerstag, 25. August

10.00 Uhr. Deutschland: ifo-Geschäftsklima August. Laut DekaBank schwindet die Widerstandskraft der deutschen Wirtschaft. Die Analysten verweisen auf die Belastungen durch die gewaltigen Preissteigerungen, die Kaufkraft und Kauflaune schmälerten, und den möglichen Gasengpass im Winter. Schon das dritte Quartal könne unter dieser Belastung eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts bringen, widergespiegelt in einem Rückgang der Lagebeurteilung. Die ifo-Geschäftserwartungen bewegten sich schon auf rezessivem Niveau und würden weiter leicht sinken. In der Summe werde das ifo-Geschäftsklima im August weiter zurückgehen.

13.30 Uhr. Eurozone: Zusammenfassung der EZB-Ratssitzung vom 21. Juli.

ab Donnerstag, 25. August

USA: Geldpolitisches Treffen Jackson Hole. Donnerstag bis Samstag tagen die Währungshüter im US-Bundesstaat Wyoming, um über die Lage der Wirtschaft sowie den zukünftigen geldpolitischen Kurs zu beraten. Der Deutschen Bank zufolge dürfte besonders die für Freitag um 16 Uhr angesetzte Pressekonferenz von Jerome Powell für Volatilität an den Aktien- und Anleihemärkten sorgen.

Freitag, 26. August

14.30 Uhr. USA: Deflator der Konsumausgaben PCE. Für das von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmaß erwartet die Commerzbank niedrige Werte. Die Kernrate ohne die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel dürfte nur 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat betragen. Die Inflationsprobleme seien damit aber nicht gelöst, für die kommenden Monaten rechnen die Analysten wieder mit höheren Werten.

von: Anna-Maria Borse

22. August 2022, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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