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10.08.2022 16:50

Eon rechnet mit steigenden Energiepreisen

Energiekrise

Essen (dpa) - Deutschlands größter Energieversorger Eon rechnet mit weiter steigenden Strom- und Gaspreisen für Endkunden. Preisdruck herrsche in allen Märkten, sagte Finanzvorstand Marc Spieker am Mittwoch in Essen. «Das einzige, was sich unterscheidet, ist, wie schnell werden diese Preissteigerungen dann umgesetzt.» Dass sie am Ende dann kommen müssten, stehe außer Frage.

Eon beliefert in Deutschland rund 14 Millionen Privat- und Geschäftskunden. Darunter sind rund 1,5 Millionen Gaskunden. Neben dem Energievertrieb ist der Betrieb von Verteilnetzen die andere große Säule im Kerngeschäft des Essener Dax-Konzerns.

Eon hatte im März angekündigt, die Preise anzuheben und dies mit stark gestiegenen Großhandelspreisen für Energie begründet. «In Deutschland wurde der Großteil dieser Preiserhöhungen bereits durchgeführt oder angekündigt», sagte Spieker. Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum nannte als Beispiel für einen Preisanstieg bei Erdgas für Nordrhein-Westfalen eine durchschnittliche Anhebung um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wann es eine nächste Erhöhung gebe, sei Spekulation. Dies hänge etwa von der Preisentwicklung im Großhandel, von der Nachfrage und von der Höhe der von der Bundesregierung geplanten Gasumlage ab. Bei Strom habe der Preisanstieg für Eon-Kunden in Nordrhein-Westfalen bei 17 Prozent gelegen, was jedoch durch den Wegfall der EEG-Umlage zum 1. Juli kompensiert worden sei.

Unterschiedlich Erhöhungen

Die bislang bekannt gewordenen Erhöhungen der Energiepreise durch Versorger in Deutschland fallen sehr unterschiedlich aus. So steigt der Gaspreis beim Kölner Unternehmen Rheinenergie im Oktober um beispielsweise knapp 116 Prozent bei einem Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden. Die Wuppertaler Stadtwerke erhöhen den Gaspreis ebenfalls am 1. Oktober um rund 50 Prozent, den Strompreis um rund 33 Prozent. Bei der Energieversorgung Oberhausen sind die prozentualen Steigerungen für Strom und Gas fast gleich und liegen zwischen 24 und 34 Prozent.

«Es gibt eine größere Preiserhöhungswelle», sagte Energieexperte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen dem «Handelsblatt». «Es werden definitiv noch viele Stadtwerke nachziehen.» Das Vergleichsportal Check24 hat allein für August, September und Oktober in 124 Fällen Erhöhungen der Strompreise durch Grundversorger registriert. Davon seien rund zwei Millionen Haushalte betroffen. «Im September betragen die Erhöhungen im Schnitt 47,5 Prozent», sagte ein Sprecher.

Höhe der Gasumlage am Montag

In allen Fällen ist die angekündigte Gasumlage zur Rettung systemrelevanter Gasimporteure noch nicht in den neuen Preisen enthalten. Dessen Höhe soll am kommenden Montag bekannt gegeben werden. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte eine Spanne von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde genannt. Unklar ist noch, ob auf die Umlage auch eine Mehrwertsteuer fällig werden wird.

Bei Eon sorgten die deutlich gestiegenen Strom-Großhandelspreise im ersten Halbjahr für hohe Umsätze, drückten aber auch auf den Gewinn. Der Grund: Der Energiekonzern konnte erst einen Teil der gestiegenen Beschaffungskosten an die Kunden weitergeben. Konzernchef Leonhard Birnbaum sprach von einem «soliden Halbjahresergebnis». Der Umsatz kletterte im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 60 Prozent auf 52,8 Milliarden Euro.

Bis Ende Juni ging der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) um 15 Prozent zurück auf 4,1 Milliarden Euro, auch weil der Vorjahreszeitraum von positiven Sondereffekten beeinflusst war. Den größten Anteil trug erneut das Netzgeschäft bei. Auf den Bereich Atomkraft entfielen 390 Millionen Euro. Eon betreibt noch ein Atomkraftwerk, und zwar in Niederbayern. Der Konzern bestätigte seine Prognose für das Gesamtjahr. 2022 soll demnach der bereinigte Konzernüberschuss zwischen 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro erreichen.

Gesprächsbereit bei Atom

Zur Frage eines Weiterbetriebs seines Atomkraftwerks Isar über das Jahresende hinaus äußerte sich Spieker zurückhaltend, signalisierte aber Gesprächsbereitschaft. Man respektiere die Entscheidung der Bundesregierung, die sich zu Beginn des Ukrainekrieges klar gegen eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken in Deutschland ausgesprochen habe, sagte der Vorstand.

Seit Jahren bereite Eon sich technisch und organisatorisch auf die Stilllegung und den Rückbau der Kernkraftwerke vor. «Sollte die Bundesregierung im Rahmen des laufenden Stresstests zu einer Neubewertung der Lage kommen, dann sind wir zu Gesprächen bereit», sagte Spieker weiter.



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